Die britische Regierung führt neue Regelungen für „Buy Now, Pay Later“-Anbieter ein, die strengere Prüfungen der Zahlungsfähigkeit der Kunden vorsehen.
Die britische Regierung hat eine umfassende Konsultation eingeleitet, um „Buy Now, Pay Later“ (BNPL)-Anbieter künftig stärker unter die Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) und des Consumer Credit Act zu stellen. Ziel der neuen Regelungen ist es, die Zahlungsfähigkeit der Kunden vor der Kreditvergabe zu überprüfen und somit Verbraucher besser vor Überschuldung zu schützen.
Unter dem Digital Services Act (DSA) sollen BNPL-Dienstleister wie Klarna und Clearpay verpflichtet werden, vor der Vergabe von Krediten sicherzustellen, dass die Kunden die Raten problemlos bedienen können. „Wir haben versprochen, vor der Wahl aktiv zu werden, und nun setzen wir dieses Versprechen um“, erklärte Tulip Siddiq, Wirtschaftssekretärin des Finanzministeriums. Die Konsultation läuft bis Ende November ab, um die dringende Notwendigkeit des Verbraucherschutzes zu berücksichtigen.
BNPL-Dienste erfreuen sich in den letzten Jahren großer Beliebtheit, da sie den Verbrauchern ermöglichen, Einkäufe in kurzfristigen, zinsfreien Raten zu bezahlen. Allerdings blieb der Sektor bisher unreguliert, sodass Anbieter keine Verpflichtung zur Prüfung der Kreditwürdigkeit ihrer Kunden hatten. Das Finanzministerium betont, dass die neuen Regelungen sicherstellen sollen, dass Kreditverträge klar und verständlich sind, damit Verbraucher informierte Entscheidungen treffen können und die Risiken bei verspäteten Zahlungen verstehen.
Studien des Centre for Financial Capability zeigen, dass nahezu ein Viertel der BNPL-Kredite in den ersten sechs Monaten des Jahres 2023 mit verspäteten Rückzahlungsgebühren belastet wurde. Die Schuldenberatungsstelle StepChange begrüßt die geplanten Maßnahmen und fordert, dass BNPL-Anbieter ordnungsgemäße Affordability-Checks einführen und aggressive Marketingstrategien am Point of Sale einstellen. „Wir benötigen stärkeren Verbraucherschutz, um die zunehmende Verschuldung durch unkontrollierte Ratenzahlungen zu verhindern“, betonte Richard Lane, Chief Client Officer von StepChange.
Auch die Verbraucherorganisation Which? unterstützt die neuen Regelungen und bezeichnet sie als „Sieg für die Konsumenten“. Die Organisation weist darauf hin, dass viele BNPL-Nutzer sich der Risiken ihrer Kredite nicht bewusst sind und oft nicht erkennen, dass verspätete Zahlungen zu unbegrenzten Gebühren führen können. „Die Einführung von Affordability-Checks ist ein wichtiger Schritt, um Verbraucher vor finanziellen Belastungen zu schützen“, erklärte Rocio Concha, Direktorin für Politik und Advocacy bei Which?.
Die Regulierung von BNPL ist Teil einer breiteren Initiative der EU, die neuen Befugnissen des DSA zu nutzen, um große Online-Plattformen strenger zu überwachen. Andere Medienplattformen stehen ebenfalls unter verstärkter Beobachtung, wie die jüngste Kritik an Meta zeigt, das beschuldigt wird, nicht ausreichend Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor Social-Media-Sucht zu ergreifen.
Finanzexperten sehen die neuen Regelungen als notwendigen Schritt zur Stabilisierung des Finanzmarktes und zum Schutz der Verbraucherinteressen. Michael Saadat, International Head of Public Policy bei Clearpay, bezeichnet die Maßnahmen als „ermutigend“ und betont die Notwendigkeit eines ausgewogenen Ansatzes, der sowohl den Verbraucherschutz stärkt als auch die Innovationsfähigkeit der Branche erhält. Sebastian Siemiatkowski, CEO von Klarna, ergänzt, dass die Zusammenarbeit mit der Regierung darauf abzielt, faire und verhältnismäßige Regeln zu etablieren, die sowohl Verbraucher als auch Anbieter schützen und gleichzeitig das Wachstum des Sektors fördern.
Die endgültige Gesetzgebung wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres verabschiedet und soll bis 2026 in Kraft treten. Diese zeitliche Planung reflektiert die Dringlichkeit, mit der die britische Regierung die Missstände im BNPL-Sektor adressiert und den Verbraucherschutz weiter ausbauen möchte.



