Der globale KI-Boom bekommt eine neue geografische Achse. Während sich Investoren bislang vor allem auf die USA und China konzentrierten, rückt nun der Nahe Osten in den Fokus. Hedgefonds-Gründer Ray Dalio sieht dort einen der künftig mächtigsten KI-Hubs der Welt entstehen – mit direkten Auswirkungen auf Unternehmen wie NVIDIA.
In einem CNBC-Interview Anfang Dezember zog Dalio einen bemerkenswerten Vergleich: Die Dynamik in den Vereinigten Arabischen Emiraten erinnere ihn an die frühen Jahre des Silicon Valley. Die Region kombiniere enorme Kapitalreserven mit politischer Stabilität, langfristiger Planung und einem gezielten Zustrom internationaler Talente.
Nach Einschätzung des Bridgewater-Gründers entsteht im Nahen Osten ein Ökosystem, das nicht nur Start-ups anzieht, sondern auch große Vermögensverwalter, Technologiekonzerne und KI-Forscher. Die Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnete Dalio als sicheren Hafen in einer zunehmend unruhigen Welt – ein Standortvorteil, der im globalen Wettbewerb um Köpfe und Kapital immer wichtiger wird.
Dalios These wird durch konkrete Großprojekte untermauert. Im Mai 2025 kündigten unter anderem OpenAI, Oracle, SoftBank, Cisco und NVIDIA den Aufbau von Stargate UAE an – einem KI-Infrastruktur-Campus der nächsten Generation in Abu Dhabi.
Das Projekt umfasst einen Rechencluster mit einer Leistung von zunächst einem Gigawatt. NVIDIA liefert dafür seine neuesten Grace-Blackwell-Systeme, die speziell für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle ausgelegt sind. Der erste Teil mit 200 Megawatt soll 2026 ans Netz gehen. Langfristig ist eine Gesamtkapazität von bis zu fünf Gigawatt geplant – die größte KI-Rechenzentrumsanlage außerhalb der USA.
Für NVIDIA bedeutet das: nicht nur zusätzliche Chip-Nachfrage, sondern auch eine strategische Verankerung in einer Region, die massiv in KI investiert.
Nicht nur die Emirate setzen auf künstliche Intelligenz als Wachstumshebel. Auch Saudi-Arabien forciert den Aufbau eines eigenen KI-Ökosystems. 2025 schloss der staatliche Public Investment Fund ein Abkommen über rund zehn Milliarden US-Dollar mit Google Cloud, um das Königreich als globalen KI-Standort zu etablieren.
Ziel ist es, Rechenkapazitäten, Dateninfrastruktur und Forschung im Land zu bündeln – ein weiterer Baustein der wirtschaftlichen Diversifizierung jenseits des Ölsektors.
Trotz seines positiven Ausblicks warnt Dalio vor Übertreibungen. Er hält den globalen KI-Markt für blasenanfällig – eine Einschätzung, die auch andere Tech-Insider teilen. Historisch seien technologische Umbrüche fast immer von spekulativen Phasen begleitet worden.
Sein Rat an Anleger: Nicht reflexartig aussteigen, nur weil Bewertungen hoch erscheinen. Entscheidend sei, ob es zu einer Verknappung von Liquidität oder zu erzwungenen Verkäufen komme. Erst dann drohe ein nachhaltiger Bruch – vergleichbar eher mit der Dotcom-Korrektur als mit einem systemischen Crash wie 1929.
Der Nahe Osten entwickelt sich vom Kapitalexporteur zum aktiven Gestalter der KI-Revolution. Für NVIDIA ist das gleich doppelt attraktiv: Die Region bietet enorme Nachfrage nach Hochleistungsrechnern und positioniert sich als langfristiger Wachstumspartner.
Sollte sich Dalios Einschätzung bewahrheiten, entsteht dort nicht nur ein weiterer Absatzmarkt – sondern ein eigenständiges KI-Zentrum, das die globale Technologielandkarte dauerhaft verändert.




