Für Fidelity ist Künstliche Intelligenz längst kein kurzfristiger Technologietrend mehr, sondern der zentrale Wachstumstreiber der kommenden Jahre. In einem Bericht aus dem Dezember 2025 kommt der US-Vermögensverwalter zu dem Schluss, dass KI inzwischen rund 60 Prozent des jüngsten US-Wirtschaftswachstums erklärt. Die Technologie habe sich von einem Nischenthema zu einem umfassenden Infrastrukturprojekt entwickelt, das nahezu alle Branchen erfasst.
Fidelity-Fondsmanager Adam Benjamin, verantwortlich für den Fidelity Select Technology Portfolio und den Fidelity Select Semiconductors Portfolio, bezeichnet KI als die stärkste Innovations- und Disruptionswelle seiner mehr als 25-jährigen Karriere. Keine andere Entwicklung habe Märkte, Geschäftsmodelle und Kapitalströme vergleichbar tiefgreifend verändert.
Trotz hoher Bewertungen bleibt NVIDIA für Fidelity der wichtigste Profiteur des KI-Booms. In mehreren Fonds ist der Chipkonzern weiterhin die größte Einzelposition. Im Fidelity OTC Portfolio entfallen rund 15,7 Prozent des Fondsvolumens auf NVIDIA, im Fidelity Select Technology Portfolio sogar etwa 26 Prozent.
Fondsmanager Chris Lin betont, dass viele Investoren die langfristige Tragweite von KI noch immer unterschätzten. Zwar sei der zeitliche Verlauf der Entwicklung schwer vorherzusagen, doch der strukturelle Effekt auf Produktivität, Forschung und Wertschöpfung werde enorm sein. NVIDIA profitiere dabei direkt von der steigenden Nachfrage nach Hochleistungsrechenchips für Training und Betrieb großer KI-Modelle.
Neben NVIDIA sieht Fidelity einen weiteren Schlüsselakteur im Bereich der KI-Infrastruktur: Taiwan Semiconductor Manufacturing. Der Auftragsfertiger ist die neuntgrößte Position im Fidelity OTC Portfolio. Aus Sicht von Lin ist die Logik klar: KI benötigt enorme Rechenleistung, und diese werde im Kern von wenigen spezialisierten Unternehmen bereitgestellt.
Die Kombination aus Chipdesign und Fertigungskapazität mache NVIDIA und TSMC zu den zentralen Säulen des KI-Ökosystems. Ohne diese beiden Unternehmen lasse sich der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren kaum realisieren.
Ein wesentlicher Treiber der Entwicklung sind die massiven Investitionen der großen Tech-Konzerne. Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta Platforms haben ihre jährlichen Investitionsausgaben von rund 100 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf mehr als 300 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 gesteigert.
Fidelity-Fondsmanager Priyanshu Bakshi hält es für möglich, dass diese Summe in den kommenden Jahren auf bis zu 500 Milliarden US-Dollar anwächst. Ein Großteil der Mittel fließt in Rechenzentren, Chips, Netzwerktechnik und Speicherlösungen – also genau in jene Bereiche, die das Rückgrat der KI-Infrastruktur bilden.
Trotz der starken Kursgewinne sieht Fidelity bislang keine gefährliche Überhitzung. Jurrien Timmer, Director of Global Macro bei Fidelity, verweist darauf, dass die aktuellen Bewertungen deutlich unter früheren Blasenextremen liegen. Anders als während des Dotcom-Booms würden die Investitionen heute überwiegend aus dem operativen Cashflow hochprofitabler Unternehmen finanziert und nicht durch exzessive Verschuldung.
Diese finanzielle Stärke verleiht dem KI-Boom aus Sicht von Fidelity eine stabilere Grundlage als frühere Technologiezyklen.
Neben NVIDIA und TSMC identifiziert Fidelity weitere Unternehmen mit Potenzial für 2026. Dazu zählen Halbleiter- und Speicherhersteller wie Micron Technology, Broadcom und Marvell Technology. Sie liefern essenzielle Komponenten für Server, Netzwerke und Datenspeicher, ohne die der Ausbau von KI-Systemen nicht möglich wäre.
Für Anleger ergibt sich daraus ein klares Bild: Fidelity setzt auch 2026 nicht auf kurzfristige KI-Euphorie, sondern auf jene Unternehmen, die den technologischen Unterbau liefern. NVIDIA bleibt dabei der dominierende Eckpfeiler – eingebettet in ein breiteres Ökosystem, das von dauerhaft hohen Investitionen profitiert.




