Inflation nahe Zielwert, politische Risiken hoch: Am Markt rechnet man mit einer weiteren Zinspause der EZB. Parallel wächst die Spekulation, ob die Währungshüter OAT-Spreads dämpfen – die Hürden dafür bleiben jedoch hoch.
Vor dem Hintergrund der Regierungskrise in Paris und stabilisierter Preisentwicklung dürfte der EZB-Rat heute den Einlagenzins bei 2,0 % belassen. Die Entscheidung wird am Nachmittag erwartet. Investoren blicken weniger auf den aktuellen Beschluss als auf die Wortwahl von Präsidentin Christine Lagarde und mögliche Hinweise zur Krisenreaktion.
Die jüngsten Risikoprämien auf französische Staatsanleihen befeuern Überlegungen, ob die Notenbank mit gezielten Käufen gegenhalten könnte. Fachleute verweisen jedoch auf die strengen Bedingungen für derartige Eingriffe. Erwartet wird eher ein Verweis auf nationale Verantwortung in Paris als auf unmittelbare, außerordentliche EZB-Schritte.
Die Teuerung im Euroraum lag im August bei 2,1 %, die Kernrate bei 2,3 % – nahe dem 2-%-Ziel. Nach sieben Zinssenkungen in Folge hatte die EZB bereits im Juli pausiert. Zur Erinnerung: Im Frühjahr 2024 lag die Einlagenfazilität noch bei 4,0 %. Lagarde hatte zuletzt betont, die geopolitisch bedingten Risiken – etwa aus dem Handelskonflikt – seien derzeit weniger akut als in den Negativszenarien.
Mangels klarer neuer Signale aus dem EZB-Umfeld rechnen Marktteilnehmer mit der Bestätigung des aktuellen Kurses und einer hohen Schwelle für weitere Schritte – in beide Richtungen. Entscheidend wird, ob Lagarde Hinweise zur Dauer der Pause und zur Beobachtung französischer Spreads liefert.




