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Deutscher Arbeitsmarkt: Anstieg der Arbeitslosigkeit überschreitet Drei-Millionen-Marke

Quelle: eulerpool

Der deutsche Arbeitsmarkt startet schwach ins neue Jahr. Im Januar ist die Zahl der Arbeitslosen erneut deutlich gestiegen und hat erstmals seit fast zwölf Jahren wieder die Marke von drei Millionen überschritten. Zwar verweisen die Behörden auf saisonale Effekte – doch die Daten zeigen mehr als nur ein übliches Winterloch. Die Dynamik am Arbeitsmarkt lässt spürbar nach.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Januar 3,085 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 177.000 mehr als im Dezember und 92.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent.

Einen höheren Wert hatte es zuletzt im Februar 2014 gegeben, damals mit rund 3,138 Millionen Arbeitslosen. Für einen Januar ist es sogar der höchste Stand seit 2010.

Besorgniserregend ist weniger der reine Anstieg als die Entwicklung darunter. Markus Schmitz, Chef der bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcenter, sprach von einem klaren Warnsignal. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gehe leicht zurück, zugleich sinke die Wahrscheinlichkeit, aus der Arbeitslosigkeit wieder in Beschäftigung zu kommen.

Auch die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften schwächt sich ab. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank auf 598.000 – ein Minus von 34.000 gegenüber dem Vorjahr.

BA-Vorständin Andrea Nahles verwies bei der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg auf jahreszeitliche Effekte. Zum Jahresbeginn laufe regelmäßig eine große Zahl befristeter Verträge aus, witterungsabhängige Branchen wie Bau, Landwirtschaft oder Tourismus drosselten ihre Beschäftigung. Saisonbereinigt habe sich die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat nicht verändert.

Gleichzeitig räumte Nahles ein, dass es derzeit „nur wenig Dynamik am Arbeitsmarkt“ gebe. Neueinstellungen würden häufig aufgeschoben, der Übergang in Beschäftigung werde schwieriger.

Im Januar bezogen 1,142 Millionen Menschen Arbeitslosengeld. Dem standen 3,826 Millionen erwerbsfähige Bürgergeldempfänger gegenüber. Diese Zahl umfasst allerdings auch sogenannte Aufstocker, die trotz Erwerbstätigkeit ergänzende Leistungen benötigen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Auch der Blick auf den Nachwuchs ist ernüchternd. Im Januar waren 64.000 junge Menschen bei den Arbeitsagenturen ohne Ausbildungsplatz gemeldet. Rund 41.000 von ihnen hatten nach Einschätzung der Behörden keinerlei Alternative, weitere 23.000 suchten trotz Übergangslösungen weiter. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da nicht alle Bewerber bei der Bundesagentur registriert sind.

Zwar ist der Januar traditionell ein schwieriger Monat für den Arbeitsmarkt. Doch die Kombination aus steigender Arbeitslosigkeit, sinkenden Stellenmeldungen und rückläufiger Beschäftigung deutet auf eine breitere Abkühlung hin. Der deutsche Arbeitsmarkt, lange ein Stabilitätsanker der Wirtschaft, verliert an Schwung.

Ob es sich um eine vorübergehende Schwäche oder den Beginn einer längeren Phase handelt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Klar ist jedoch: Die Marke von drei Millionen Arbeitslosen ist zurück – und sie kommt in einer wirtschaftlich ohnehin angespannten Lage.