Übernahme von TanQuid durch Sunoco LP: Sicherheitsbedenken und geopolitische Implikationen
- Sunoco LP übernimmt TanQuid, Deutschlands größten unabhängigen Tanklagerbetreiber.
- Kritik an sicherheitspolitischen und geopolitischen Implikationen der Übernahme wächst.
Die Übernahme des deutschen Tanklagerbetreibers TanQuid durch das US-Unternehmen Sunoco LP wirft sicherheitspolitische und energieökonomische Fragen auf. Sunoco, eine Tochter von Energy Transfer, kontrolliert nun zentrale Teile der deutschen Treibstofflogistik.
Sunoco hat am 16. Januar 2026 die Übernahme von TanQuid abgeschlossen. TanQuid betreibt 15 Tanklager in Deutschland und ein weit verzweigtes Pipeline-Netz. Das Unternehmen ist ein zentraler Knotenpunkt der Mineralöl- und Kerosinversorgung.
Sunoco ist eine Tochter des texanischen Energieriesen Energy Transfer. Dessen Vorstandschef Kelcy Warren gilt als enger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump und wichtiger Spender der „Make America Great Again“-Bewegung.
Über TanQuid werden auch Teile der Treibstoffversorgung der Bundeswehr und der NATO organisiert. Sunoco kontrolliert nun rund ein Fünftel der deutschen Tanklagerkapazitäten und mehr als 1.000 Kilometer strategisch relevanter Pipelines.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Übernahme nach einer Investitionsprüfung freigegeben, jedoch unter „strengen Auflagen“. Diese sollen die kontinuierliche Versorgung mit Lager- und Transportkapazitäten sicherstellen.
In Politik und Thinktanks wächst die Skepsis. Sicherheitsexperten warnen, dass militärisch relevante Infrastruktur nun teilweise unter der Kontrolle eines Konzerns stehe, dessen Eigentümer dem politischen Machtzentrum in Washington eng verbunden sei.
Auch aus der Energie- und Klimapolitik kommt Kritik. Vertreter der Grünen und Umweltorganisationen sprechen von einer sicherheits- und industriepolitisch kurzsichtigen Entscheidung.
Der Vorgang reiht sich in eine Serie globaler Machtverschiebungen ein, in denen Energie-, Digital- und Logistikinfrastruktur zu geopolitischen Hebeln werden. Kontrolle über Speicher, Leitungen und Terminals bedeutet im Krisenfall Kontrolle über Versorgung und Mobilität.
Die zentrale Frage lautet: Hat Deutschland hier einen weiteren strategischen Knotenpunkt aus der Hand gegeben – in einer Zeit, in der ökonomische Souveränität und sicherheitspolitische Autonomie wieder zu harten Standortfaktoren geworden sind?