Skip to content

KI-Boom bedroht Automobilindustrie: DRAM-Knappheit in Sicht

  • Wells Fargo warnt vor einer gefährlichen Verknappung bei Speicherchips, insbesondere DRAM, durch den KI-Boom.
  • Die Automobilindustrie könnte erneut unter steigenden Kosten und Unsicherheiten in der Beschaffung leiden.

Die globale Industrie erholt sich von der Chipkrise, doch eine neue Engstelle droht. Der KI-Boom könnte die Automobilbranche durch eine Verknappung bei Speicherchips, insbesondere DRAM, erneut belasten, warnt die US-Großbank Wells Fargo.

Deutsche Industriebetriebe melden eine Erholung. Laut ifo Institut klagten im Dezember nur noch 7,5 Prozent der Unternehmen über Materialengpässe. In der Automobilindustrie fiel der Anteil von 27,6 auf 5,6 Prozent. Die Lieferketten stabilisieren sich.

Doch die Ruhe könnte trügerisch sein. Ifo-Experte Klaus Wohlrabe mahnt, die Lage bleibe fragil. Vorprodukte aus der Halbleiterindustrie müssen weiter beobachtet werden. Wells Fargo warnt vor einer gefährlichen Verknappung bei DRAM.

Ein Grund für die Entspannung war die Lösung des Konflikts um Nexperia. Die niederländische Regierung griff wegen sicherheitspolitischer Bedenken ein, China stoppte zeitweise den Export bestimmter Chips. Das Embargo wurde gelockert, zeigt aber die Abhängigkeit von politischen Spannungen.

Die Abhängigkeit der europäischen Autoindustrie von globalen Halbleiterlieferketten bleibt ein strukturelles Risiko. Der explosionsartige Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur verschärft die Lage. Chipproduzenten richten sich auf margenstarke Abnehmer aus dem Cloud- und KI-Sektor aus.

Der dynamische Arbeitsspeicher DRAM ist in modernen Fahrzeugen unverzichtbar. Während KI-Anwendungen enorme Speichermengen verschlingen, macht der Automobilsektor weniger als zehn Prozent der globalen DRAM-Nachfrage aus und verliert an Verhandlungsmacht.

Die Preisentwicklung ist alarmierend. Laut Wells Fargo liegen die Spotpreise für DDR5-Speicher mehr als achtmal so hoch wie im Jahresdurchschnitt 2024, bei DDR4 sogar mehr als sechzehnmal. Chipproduzenten priorisieren Kunden mit den höchsten Margen.

Für Autobauer bedeutet das steigende Stückkosten und wachsende Unsicherheit in der Beschaffung. Der DRAM-Anteil pro Fahrzeug wird auf 50 bis 110 US-Dollar geschätzt – Tendenz steigend, vor allem bei Elektro- und Premiumfahrzeugen.

Analystenprognosen sind düster. Für 2026 erwartet Wells Fargo ein Nachfragewachstum bei DRAM von 26 Prozent, während das Angebot nur um 21 Prozent zulegen dürfte. Eine Unterversorgung von rund 14 Prozent droht, ähnlich der Chipkrise von 2021.

Marktbeobachter berichten von Hamsterkäufen und langfristigen Abnahmeverträgen, um sich gegen neue Engpässe abzusichern. Steigen die Speicherpreise weiter, stehen Autobauer vor der Entscheidung: höhere Kosten selbst tragen oder an Kunden weiterreichen.

Die Warnung von Wells Fargo zeigt: Die nächste Chipkrise könnte durch den KI-Boom ausgelöst werden. Für die Autoindustrie wäre das eine bittere Ironie und ein Beleg dafür, wie sehr ihre Zukunft von globalen Technologietrends abhängt.

Quelle: Eulerpool Research Systems