Die angespannte Lage auf dem Halbleitermarkt könnte Deutschland tiefer in die Krise stürzen. Laut neuen Berechnungen des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) droht das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent in diesem Jahr komplett zu kippen, sollte die Autoindustrie wegen des Chipmangels länger stillstehen.
Auslöser ist die Enteignung des chinesischen Eigentümers von Nexperia durch die niederländische Regierung. Der Konzern – ein zentraler Lieferant für VW, BMW und Co. – darf seither kaum noch Chips exportieren. Die Folgen reichen weit über die Autobranche hinaus: Auch Maschinenbau, Elektronik und Kunststoffproduktion geraten unter Druck.
Ökonomen warnen: Ein Produktionsstillstand von nur fünf Wochen in der Hälfte der deutschen Pkw-Fertigung könnte das BIP-Wachstum um 0,27 Prozentpunkte schmälern – ein längerer Ausfall bis Jahresende sogar um fast 0,5 Punkte. Das entspräche einem Wohlstandsverlust von rund 21 Milliarden Euro.
Noch schwerer wiegt die strukturelle Erkenntnis: Ein einzelner Chiphersteller reicht aus, um zentrale Industriezweige lahmzulegen. „Die Krise zeigt, wie verletzlich die Lieferketten geblieben sind – trotz aller politischen Bekenntnisse zur Resilienz“, warnt Ökonom Claus Michelsen. Sollte sich die Lage nicht rasch entspannen, droht Deutschland das dritte Rezessionsjahr in Folge.




