Alphabet liefert starke Zahlen – und löst dennoch einen Kursrutsch aus. Mit einer geplanten Investitionsoffensive von bis zu 185 Milliarden Dollar für 2026 setzt Google-Chef Sundar Pichai alles auf die KI-Karte. Die Reaktion der Börse: Skepsis. Anleger fürchten, dass die Infrastrukturkosten schneller wachsen als die künftigen Erträge.
Alphabet plant, die Investitionsausgaben 2026 auf 175 bis 185 Milliarden Dollar zu erhöhen – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.
Der Großteil soll in neue Chips, Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur fließen. Ziel ist es, die wachsende Nachfrage nach KI-Diensten – insbesondere rund um Google DeepMind – zu bedienen.
Damit positioniert sich Alphabet an der Spitze der Branche. Selbst Microsoft und Amazon investieren zwar aggressiv, liegen aber unter diesem Niveau.
Die Aktie fiel nachbörslich um bis zu drei Prozent.
Die Skepsis der Märkte steht im Kontrast zu den Geschäftszahlen:
Auch das Kerngeschäft mit Werbung bleibt stabil. Der Werbeumsatz stieg um 13,5 Prozent auf 82,28 Milliarden Dollar. Eine Kannibalisierung der Suche durch KI-Chatbots wie ChatGPT ist bislang nicht erkennbar.
Die KI-Plattform Gemini zählt mittlerweile über 750 Millionen monatlich aktive Nutzer. Gleichzeitig sanken die Kosten pro Anfrage um 78 Prozent im Jahresverlauf – ein Indiz für operative Effizienzgewinne.
Besonders dynamisch entwickelte sich Google Cloud:
Damit wuchs Google Cloud schneller als Microsoft Azure, das zuletzt auf 39 Prozent kam.
Die Cloud-Sparte ist zentral für die Monetarisierung der KI-Investitionen – und damit der strategische Hebel für Pichais Offensive.
Gleichzeitig wächst die Sorge vor einer Überhitzung.
Die massive Nachfrage nach Hochleistungs-Chips, Energie und Rechenzentrumsinfrastruktur treibt die Preise. Es entsteht eine Art „KI-Sonderinflation“, die die Kostenbasis der gesamten Branche erhöht.
Investoren stellen daher eine zentrale Frage:
Sind die künftigen Erträge groß genug, um diese historischen Vorleistungen zu rechtfertigen?
Während das Kerngeschäft stabil bleibt, gibt es auch Belastungen:
Waymo meldete zwar 15 Millionen Fahrten im Jahr 2025 und eine Bewertung von 126 Milliarden Dollar nach einer 16-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde – doch profitabel ist das Geschäft noch nicht.
Pichai setzt klar auf Skalierung: Wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert die KI-Zukunft.
Doch das Risiko ist offensichtlich. Die Kapitalintensität des Geschäfts steigt dramatisch – und der Kapitalmarkt reagiert zunehmend sensibel auf jede Ausweitung der Investitionen.
Alphabet verdoppelt seine Wette. Ob daraus ein struktureller Vorsprung oder eine Phase schmerzhafter Kapitalbindung entsteht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Die Zahlen sind stark. Die Vision ist ambitioniert.
Die Geduld der Investoren hingegen ist begrenzt.



