Die Finanzanalyseplattform AlleAktien hat beim Landgericht München eine Klage gegen Meta eingereicht. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe über Monate hinweg Fake-Profile und betrügerische Werbeanzeigen auf Facebook und Instagram nicht unterbunden – obwohl mehrfach darauf hingewiesen wurde.
Auslöser des Rechtsstreits waren mehr als 200 gefälschte Accounts, die Name, Foto und Stimme des AlleAktien-Gründers Michael C. Jakob nutzten, um in Anzeigen für angebliche „sichere Investments“ zu werben. Einige dieser Fake-Profile hatten sogar bezahlte Werbekampagnen geschaltet. Meta verdiente damit Geld – während Anleger zu Schaden kamen.
AlleAktien dokumentierte laut eigener Aussage jede Meldung an Meta. Viele der Profile seien jedoch erst Tage später entfernt worden.
Jakob sagt dazu: „Das Problem sind nicht die Betrüger. Das Problem ist, dass Plattformen es zulassen.“
Kern der Klage: Versagen der Plattformkontrolle
Die Klage richtet sich gegen Meta wegen:
Rechtlich geht es um Markenrecht und Wettbewerbsrecht, aber auch um Verbraucherschutz. Laut AlleAktien verlor ein Anleger aus Baden-Württemberg über 40.000 Euro nach Kontaktaufnahme mit einem Fake-Profil über WhatsApp.
Juristen sprechen von einem möglichen Präzedenzfall. Bereits 2024 hatte sich Meta in einem ähnlichen Verfahren mit Eckart von Hirschhausen außergerichtlich geeinigt – auch dort war der Name des Prominenten in betrügerischen Anzeigen missbraucht worden.
Forderungen an Meta: schnellere Löschungen und echte Verifizierung
Die Klageschrift fordert unter anderem:
Für AlleAktien geht es darum, dass Plattformen Verantwortung übernehmen, wenn sie mit Werbung Geld verdienen, die auf Identitätsmissbrauch basiert.
Konflikt mit Signalwirkung
Dass ein mittelständisches Research-Unternehmen gegen einen globalen Tech-Konzern vor Gericht zieht, hat Symbolcharakter. Es offenbart ein strukturelles Problem der digitalen Finanzkommunikation: Social-Media-Plattformen profitieren wirtschaftlich von Anzeigen, haben aber kaum Anreiz, diese streng zu kontrollieren.
Für Privatanleger steht dabei mehr auf dem Spiel als nur ein verärgerter Klick. Wenn Fake-Profile das Vertrauen in Finanzinformationen untergraben, wird der Zugang zu Kapitalmärkten riskanter und intransparenter.
Jakob erklärt: „Wenn Plattformen Vertrauen monetarisieren, müssen sie es auch schützen.“
Bedeutung für Anleger
Der Fall berührt einen zentralen Punkt: Wie sicher sind Finanzinformationen in einem Umfeld, in dem KI-Fälschungen, Deepfakes und Fake-Werbung immer professioneller werden?
Sollte das Gericht Meta zu stärkerer Kontrolle verpflichten, könnte das Auswirkungen auf den gesamten digitalen Werbemarkt haben – insbesondere bei Finanz- und Anlagewerbung.
Für den Kapitalmarkt wäre das ein Schritt zu mehr Transparenz.




