Die Gerüchteküche brodelte, nun ist es offiziell: Der US-Konzern Worthington Steel sondiert einen Kauf von Klöckner & Co – ein möglicher Deal, der die Kräfteverhältnisse in der europäischen Metallverarbeitung verschieben könnte. Noch ist nichts entschieden, doch die Gespräche laufen intensiver als bislang bekannt.
Worthington Steel verhandelt über ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für den deutschen Stahl- und Metallverarbeiter Klöckner & Co. Beide Unternehmen bestätigten die Gespräche am Samstag. Der US-Konzern aus Columbus, Ohio, führt derzeit eine umfassende Due-Diligence-Prüfung durch. Ob am Ende ein formales Angebot folgt, sei offen – ebenso die Bedingungen.
Worthington erklärte, eine Investitionsentscheidung sei bislang nicht gefallen. Das Unternehmen betonte zudem, dass die Gespräche ergebnisoffen seien und auch ohne Transaktion enden könnten. Klöckner & Co wird derzeit mit rund 605 Millionen Euro an der Börse bewertet.
Worthington ist wie Klöckner ein Metallverarbeiter, der Kunden vor allem bei der Weiterverarbeitung von Flachstahl unterstützt – ein Geschäft mit traditionell stabileren Margen. Der Konzern beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter an 37 Standorten, überwiegend in den USA, aber auch in Europa. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2025 (Ende Mai) bei 3,8 Milliarden Dollar.
Übernahmen gehören seit Jahren zur Strategie des US-Unternehmens. In Präsentationen betont Worthington regelmäßig, nur Firmen zu kaufen, die sofort zur Margensteigerung beitragen. Genau in dieses Raster könnte Klöckner passen: Der Konzern befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Umbaus weg vom klassischen Stahlhandel hin zur höherwertigen Metallverarbeitung.
Der Kurs der Klöckner-Aktie hat seit Ende 2024 um gut ein Drittel zugelegt. Doch dieser Anstieg holt lediglich die Verluste der vergangenen Jahre etwas auf. Vom Mehrjahreshoch 2022 bei 13,50 Euro ist das Unternehmen weit entfernt; heute steht der Börsenwert bei nur noch etwa 600 Millionen Euro.
2024 setzte Klöckner & Co 6,6 Milliarden Euro um – trotz höherer Absatzmengen lagen die Erlöse wegen gesunkener Stahlpreise unter dem Vorjahr. Das operative Ergebnis gab ebenfalls nach. Für 2025 rechnet der Konzern hingegen wieder mit leicht steigenden Umsätzen und einem deutlich besseren operativen Ergebnis.
Seit 2021 führt der ehemalige Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff das Unternehmen. Unter seiner Leitung hat Klöckner die Transformation hin zum Metallverarbeiter beschleunigt und die USA als Kernmarkt noch stärker in den Fokus genommen. Auch Europa bleibt zentral – allerdings mit klar priorisierten Standorten.
Dass nun ein amerikanischer Wettbewerber zugreift, überrascht Brancheninsider nicht: Die Konsolidierung in der Metallverarbeitung hat Fahrt aufgenommen, und Klöckner gilt seit längerem als attraktives, aber unterbewertetes Ziel.
Ob Worthington Steel tatsächlich ein offizielles Angebot vorlegt, könnte sich in den kommenden Wochen entscheiden. Für Klöckner & Co wäre es einer der bedeutendsten Einschnitte seit der Gründung im Jahr 1906 – und möglicherweise der Beginn eines transatlantischen Metallkonzerns neuen Zuschnitts.




