Trotz Allzeithochs an den Aktienmärkten bleiben Optionsmärkte vorsichtig – geopolitische Risiken drücken langfristig auf die Stimmung.
Während der S&P 500 vergangene Woche ein neues Allzeithoch erreichte und Energiepreise aufgrund nachlassender Spannungen im Nahen Osten sanken, zeigen Optionsmärkte weiterhin ein differenzierteres Bild. Trotz kurzfristiger Zuversicht bei Aktien bleibt die mittelfristige Skepsis bestehen – insbesondere mit Blick auf geopolitische Risiken und die geldpolitische Unsicherheit.
Im Derivatemarkt hat sich die Prämie für Put-Optionen auf den S&P 500 deutlich verringert, was auf eine optimistischere Haltung im kurzfristigen Zeithorizont schließen lässt. Zugleich ist die Volatilitätsstruktur der VIX-Futures steiler geworden: Die Futures auf den Cboe Volatility Index liegen im Sechs-Monats-Bereich deutlich über dem Niveau der Vormonate – ein Zeichen anhaltender Risikoaversion.
Rocky Fishman, Gründer von Asym 500 LLC, betont: „Die VIX-Kurve signalisiert weiterhin eine nachhaltige Reaktion auf die Turbulenzen im April – ein Rückkehr zum Vorkrisenniveau ist nicht in Sicht.“ Auch das Handelsvolumen bei VIX-Calls, einem gängigen Absicherungsinstrument, hat zugenommen, während der VVIX-Index, die sogenannte Volatilität der Volatilität, unter 90 gefallen ist – ein Niveau, das zuletzt im Sommer 2024 unterschritten wurde.
Am Rohölmarkt sieht es ähnlich aus: Die implizite Volatilität für Brent ist auf das Niveau von Anfang Juni zurückgefallen, das sogenannte Skew-Profil ist flach – also ohne klar bullischen oder bearischen Bias. Gleichwohl werden Preisschwankungen bei Öl am Terminmarkt weiterhin höher bewertet als bei Aktien. Der Optionsmarkt für sogenannte Calendar Spreads bei WTI-Öl verzeichnete in diesem Monat sogar ein Rekordhoch beim Open Interest – ein Hinweis darauf, dass Investoren kurzfristige Angebotsengpässe und mittelfristige Überversorgung gleichzeitig einkalkulieren.
Hedgefonds haben ihre Netto-Long-Positionen auf Brent laut ICE-Daten zuletzt stark reduziert – der stärkste Rückgang seit April. Auch im europäischen Gasmarkt kehrten algorithmische Händler innerhalb einer Woche ihre Positionierung von 9 % Netto-Long auf 18 % Netto-Short. Laut Bridgeton Research zeigt das, wie stark KI-basierte Modelle die Marktdynamik beeinflussen – oft zum Nachteil physischer Marktteilnehmer.
JPMorgan-Strategen raten inzwischen zu sogenannten Equity-Oil-Hybrid-Positionen. Hintergrund: Bei steigenden geopolitischen Risiken könnten Ölpreise wieder anziehen, während steigende Zinsen den Aktienmarkt belasten. Die historisch oft negative Korrelation zwischen beiden Assetklassen könnte sich damit erneut bestätigen.
Goldman Sachs-Analysten sehen den Rückgang des geopolitischen Risikoaufschlags unter anderem in den zurückhaltenden Reaktionen des Irans, einer stabilisierenden Haltung der USA und Chinas sowie in der Aussicht auf umfangreiche Lageraufbauten im Herbst begründet. Das Marktbild bleibt damit fragil – die Risiken sind nicht verschwunden, sondern nur verschoben.




