USA und China senken Zölle um 115 Prozentpunkte – ein Signal für Stabilisierung nach monatelanger Eskalation.
Nach monatelanger Eiszeit im bilateralen Handelskonflikt haben die USA und China eine befristete Zollabsenkung vereinbart. Die wechselseitigen Importzölle werden für 90 Tage deutlich reduziert: US-Zölle auf chinesische Produkte sinken von 145 auf 30 Prozent, China reduziert seine Aufschläge auf US-Waren von 125 auf 10 Prozent. Die Maßnahme soll ab sofort bis zum 14. Mai gelten.
Die Einigung geht auf ein zweitägiges Spitzentreffen in Genf zurück, bei dem US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer und Finanzminister Scott Bessent mit Chinas Vizepremier He Lifeng verhandelten. Greer sprach im Anschluss von einem „Deal mit Substanz“, Bessent von „substanziellen Fortschritten“. Auch Präsident Donald Trump lobte den Gesprächsverlauf als „vollständigen Neustart“ der Handelsbeziehungen.
Für Peking steht dabei mehr als nur Zollpolitik auf dem Spiel. Vizepremier He erklärte, China wolle die „Kooperationsbasis vergrößern“ und die Handelsbeziehungen strategisch weiterentwickeln, um zur Stabilität der Weltwirtschaft beizutragen. Die Gespräche hätten gezeigt, dass die Differenzen womöglich kleiner seien als bislang angenommen.
Noch im April hatten beide Seiten Zölle in historischer Höhe verhängt – ein wirtschaftlicher Stillstand war die Folge. Praktisch kam der bilaterale Handel zum Erliegen, da die Margen auf beiden Seiten durch die Abgaben vernichtet wurden. Beobachter werten die jüngste Annäherung daher als möglichen Wendepunkt, auch wenn bislang keine strukturelle Einigung vorliegt.
Die Reaktion der Finanzmärkte fiel zurückhaltend aus. In Asien eröffneten die Börsen mit leichten Gewinnen: Der Hang-Seng-Index legte zum Handelsstart um 1,4 Prozent zu, der CSI-300 um 0,5 Prozent. Auch der Nikkei und der südkoreanische KOSPI verzeichneten moderate Zuwächse. Für eine nachhaltige Entspannung fehlt es laut Analysten derzeit noch an weitergehenden Zusagen.
Parallel zum Treffen in Genf führte He Lifeng auch Gespräche mit WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala. China wolle sich weiterhin konstruktiv an der Reform der multilateralen Handelsordnung beteiligen, so He. Streitigkeiten zwischen Großmächten sollten, so die Botschaft, wieder im Rahmen der WTO gelöst werden – nicht über Strafzölle und Eskalation.




