Die US-Wirtschaft hat im dritten Quartal deutlich stärker zugelegt als erwartet und damit die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen gedämpft. Nach aktuellen Daten wuchs das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten gegenüber dem Vorquartal um annualisiert 4,3 Prozent. Ökonomen hatten im Vorfeld lediglich mit einem Plus von rund 3,3 Prozent gerechnet.
Die robusten Konjunkturdaten wurden an den Finanzmärkten zunächst negativ aufgenommen. Vorbörslich gerieten US-Aktien unter Druck: Der Dow Jones wurde rund 80 Punkte schwächer erwartet, auch der Nasdaq tendierte klar im Minus. Gleichzeitig zogen die Renditen amerikanischer Staatsanleihen an – ein typisches Signal dafür, dass Anleger mit einer länger straffen Geldpolitik rechnen.
Mit den neuen Wachstumszahlen hat sich die Zinsfantasie an den Märkten weiter eingetrübt. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group gehen inzwischen rund 85 Prozent der Marktteilnehmer davon aus, dass die US-Notenbank den Leitzins auf ihrer nächsten Sitzung am 28. Januar unverändert in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belässt. Zum Wochenbeginn lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei 80 Prozent, vor einer Woche sogar nur bei 75 Prozent.
Für die US-Notenbank ergibt sich damit ein bekanntes Spannungsfeld: Einerseits signalisiert das kräftige Wirtschaftswachstum eine hohe Widerstandsfähigkeit der Konjunktur, andererseits erschwert es schnelle Zinssenkungen, solange Inflationsrisiken bestehen. Steigende Renditen und schwächere Aktienkurse spiegeln diese Neubewertung wider.
Anleger müssen sich daher zunehmend darauf einstellen, dass geldpolitische Lockerungen später und vorsichtiger erfolgen könnten als bislang erhofft – ein Umfeld, das kurzfristig für mehr Volatilität an den US-Börsen sorgen dürfte.




