Amerikas Topmanager beginnen, sich vorsichtig von Präsident Donald Trump zu distanzieren. Doch die Kritik bleibt leise, indirekt und taktisch. Aus Angst vor politischer Vergeltung wagen viele CEOs bislang nur minimale Abweichungen vom Kurs des Weißen Hauses – trotz wachsender Sorge über Eingriffe in Märkte, Handel und Unternehmensfreiheit.
Vor einem abgedunkelten Ballsaal in Washington rief Suzanne Clark, Chefin der mächtigen US-Handelskammer, die Wirtschaftselite dazu auf, „furchtlos“ für freie Märkte und gegen staatliche Kontrolle einzutreten. Die USA müssten „offen bleiben für die Welt, für Handel, Talente und Ideen“.
Es war eine klare Botschaft – und doch eine mit diplomatischer Vorsicht. Clark erwähnte Trump nicht ein einziges Mal, obwohl sich ihre Worte direkt gegen zentrale Elemente seiner Wirtschaftspolitik richten: staatliche Beteiligungen an Technologieunternehmen, Eingriffe in Eigentümerstrukturen, neue Zölle und eine restriktive Einwanderungspolitik.
Experten sehen darin kein Zufall. Viele Konzernlenker fürchten, dass offener Widerspruch vom Präsidenten sanktioniert werden könnte – etwa durch regulatorischen Druck, den Entzug staatlicher Aufträge oder politische Kampagnen.
Im Vergleich zu Trumps erster Amtszeit ist der Ton auffällig gedämpft. 2017 hatten sich zahlreiche CEOs nach den Ereignissen in Charlottesville öffentlich von ihm distanziert. Heute, so Beobachter, herrsche eine Kultur der Vorsicht und des Abwartens.
Der frühere Ethikberater von Präsident George W. Bush, Richard Painter, spricht von einer gefährlichen Entwicklung: „Ein Präsident mit autoritären Tendenzen darf nicht die Geschäftspolitik jedes Unternehmens diktieren.“ Er fordert von der Wirtschaft ein deutliches Eintreten gegen politischen Zwang – nicht nur, wenn eigene Interessen unmittelbar betroffen sind.
Einige prominente Manager haben dennoch zaghaft Position bezogen:
Diese Beispiele zeigen, wie schmal der Grat ist, auf dem sich Konzernchefs bewegen.
Eine aktuelle Umfrage des Conference Board unter US-Vorständen zeigt: Das größte Risiko für 2026 ist nicht Inflation, nicht Rezession – sondern Unsicherheit. Die Rahmenbedingungen gelten als unberechenbar, die politische Einflussnahme als schwer kalkulierbar.
Ökonomen warnen: Bleibt der Widerstand der Wirtschaft so verhalten, könnte dies langfristig den Weg für stärkere staatliche Kontrolle und Regulierung ebnen – unabhängig davon, wer künftig im Weißen Haus sitzt.
Oder wie es ein Handelsexperte formuliert: Wenn Manager glauben, der aktuelle Kurs sei nur eine vorübergehende Episode, könnten sie sich täuschen. Staatskapitalismus, so die Warnung, übe inzwischen auf beide politischen Lager eine gefährliche Anziehungskraft aus.




