Die Lager leer, die Preise hoch: US-Autohändler geraten bei Gebrauchtwagen zunehmend unter Beschaffungsdruck.
Knappheit und steigende Preise auf dem US-Gebrauchtwagenmarkt haben ein Niveau erreicht, das zuletzt während der Pandemie zu beobachten war. Laut Daten von Cox Automotive verfügten Autohändler Anfang Mai nur über einen durchschnittlichen Lagerbestand von 43 Tagen – der niedrigste Stand für diesen Zeitraum seit 2021. Der Preis für die 50 meistverkauften Gebrauchtwagen in den USA stieg zuletzt wöchentlich und liegt aktuell bei fast 29.000 Dollar. Zum Vergleich: Ein neues Fahrzeug kostet im Schnitt über 48.000 Dollar.
Haupttreiber dieser Entwicklung sind struktureller Natur: Viele Amerikaner behalten ihre Fahrzeuge länger, das Angebot an Leasingrückläufern ist ausgedünnt, und die Produktion neuer Fahrzeuge geht zurück – nicht zuletzt wegen der Trump-Zölle. Während diese nicht direkt auf Gebrauchtwagen zielen, führen sie zu höheren Preisen für Neufahrzeuge und reduzieren Importe aus Mexiko und Kanada. Nordamerikas Autoproduktion sank im April um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, so eine Citi-Analyse.
Infolge dieser Entwicklungen hat sich der Wettbewerb um verfügbare Gebrauchtfahrzeuge massiv verschärft. Auf einer Auktion nahe Detroit lieferten sich Händler letzte Woche ein erbittertes Bietgefecht. Zwischen blinkenden Preisdisplays und Online-Geboten wechselten unter anderem Ford-Pickups und Range Rovers die Besitzer. Selbst ein Lamborghini Huracán kam unter den Hammer.
„Alle sind knapp an Autos“, sagt Scott Graham, Einkäufer für eine Händlergruppe in Michigan, der drei Fahrzeuge sichern konnte. Viele seiner Kollegen verlassen inzwischen ihre Bundesstaaten, um Nachschub zu finden – so wie Steven Wolf, Ford- und Jeep-Händler aus Houston, der bis nach Utah reisen musste, um Pickups zu kaufen.
Die Folge: Immer mehr Händler versuchen, leere Verkaufsflächen mit Gebrauchten zu füllen – und treffen dabei auf dieselbe Idee bei der Konkurrenz. Der Trend ist eindeutig: „Unsere Erwartung ist, dass die Preise im Laufe des Sommers noch schneller steigen werden“, so Charlie Chesbrough, Chefökonom bei Cox Automotive.
Dabei geht es nicht nur um Quantität, sondern auch um Qualität. „Es gibt viele Autos, die schlecht gepflegt sind, Unfälle hatten oder schlicht durch sind“, sagt Glenn Gottfried, Verkaufsleiter eines Autohauses in Ann Arbor. „Aber wirklich gute Gebrauchte? Die sind fast nicht zu finden.“
Auch Flottenanbieter, einst verlässliche Quelle für frischen Gebrauchtwagen-Nachschub, haben ihre Bestände seit der Pandemie reduziert. Gleichzeitig ist das Angebot aus ausgelaufenen Leasingverträgen stark eingeschränkt, da während der Covid-Jahre nur wenig verleast wurde.
Ein Blick auf das Auktionszentrum Manheim Detroit verdeutlicht die Dimension: Auf einem 250 Hektar großen Gelände lagern permanent rund 15.000 Fahrzeuge. Drei Mal pro Woche kommen dort etwa 600 Autos unter den Hammer – von E-Autos über beschädigte Pickups bis hin zu Fahrzeugen, die nur noch als Ersatzteillager taugen. Das Rennen um die besten Exemplare beginnt jeden Morgen pünktlich um neun.




