Trump erwägt vorzeitige Fed-Nachfolge, um geldpolitischen Kurs zu ändern – Warsh, Bessent und Waller im Rennen.
US-Präsident Donald Trump erwägt, seinen Nachfolger für Fed-Chef Jerome Powell bereits im Sommer zu benennen – deutlich früher als üblich. Hintergrund ist seine wachsende Unzufriedenheit mit dem vorsichtigen Zinskurs der Notenbank. Offiziell endet Powells Amtszeit als Vorsitzender im Mai 2026, doch Trump macht keinen Hehl daraus, ihn lieber heute als morgen durch einen loyaleren Kandidaten zu ersetzen.
Unter den potenziellen Nachfolgern kursieren vor allem drei Namen: Kevin Warsh, ehemaliger Fed-Gouverneur, Scott Bessent, aktueller Finanzminister, sowie Fed-Gouverneur Christopher Waller. Warsh, ein erklärter Zinsskeptiker, hatte sich zuletzt öffentlich gegen ultralockere Geldpolitik ausgesprochen. Bessent, ein erfahrener Investor mit guten Drähten nach Wall Street, gilt als politisch anschlussfähig. Waller wiederum plädiert als erster aktiver Fed-Gouverneur offen für baldige Zinssenkungen – was ihn zuletzt in den Fokus des Weißen Hauses rückte.
Eine Vorab-Ankündigung könnte strategisch motiviert sein: Der sogenannte “chair-in-waiting” hätte damit die Chance, die Markterwartungen zur Zinspolitik noch vor Amtsantritt zu beeinflussen – ein inoffizieller Einfluss, der historisch selten, aber nicht ohne Wirkung ist. Allerdings birgt diese Variante auch Risiken: Ein früh nominierter Kandidat könnte zum Blitzableiter politischer und medialer Kritik werden – oder intern als Spaltpilz wirken.
Trump selbst gab sich bei einer Pressekonferenz am Rande des NATO-Gipfels ungewöhnlich direkt: „Ich weiß schon, wer es wird – aus einem kleinen Kreis von drei, vier Leuten“, sagte er. Powell bezeichnete er erneut als „schlechte Wahl“. Dass Trump aus seiner ersten Amtszeit gelernt hat, niemanden zu nominieren, den er nicht persönlich kennt oder als absolut loyal einstuft, gilt als sicher. Die damalige Entscheidung für Powell – ein Kompromisskandidat – wurde intern längst als Fehler verbucht.
Warsh zeigte sich zuletzt in Boston skeptisch, dass Powell seine Amtszeit regulär beenden kann. Gleichzeitig warnte er vor zu niedrigen Zinsen: „Wenn Geld nichts kostet, entstehen schlechte wirtschaftliche Entscheidungen“, sagte er. Dasselbe gilt für Bessent, der öffentlich zwar betont, dem Präsidenten zu dienen, intern jedoch Ambitionen auf den Fed-Vorsitz hegt.
Der bisherige Amtsinhaber Powell, der noch bis 2028 Teil des Fed-Vorstands bleiben könnte, hält sich bedeckt. In einer Senatsanhörung betonte er, dass politische Debatten keine Rolle für seine Arbeit spielten: „Ich möchte eine stabile, inflationskontrollierte Wirtschaft übergeben – das ist mein einziges Ziel.“




