Trump droht mit 50 % EU-Zoll, ignoriert Kompromisssignale – Brüssel bleibt ruhig, bereitet aber Gegenmaßnahmen vor.
50 Prozent Einfuhrzoll ab dem 1. Juni – mit dieser Zahl brachte US-Präsident Donald Trump am Freitag die europäischen Märkte ins Wanken. Die angedrohte Verfünffachung des bisherigen Basiszolls auf EU-Produkte stellt nicht nur die Handelsbeziehungen auf die Probe, sondern schürt auch wirtschaftspolitische Unsicherheit auf beiden Seiten des Atlantiks. An der Börse reagierten Investoren prompt: Der DAX sackte zeitweise um mehr als zwei Prozent ab, die Wall Street eröffnete mit deutlichen Verlusten.
Die Reaktion aus Brüssel fiel kühl aus. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič betonte nach Gesprächen mit Trumps Handelsbeauftragtem Jamieson Greer und US-Handelsminister Howard Lutnick, man arbeite „in gutem Glauben“ an einem ausgewogenen Abkommen. Dabei solle „Respekt die Grundlage sein – nicht Drohungen“. Die EU bleibe verhandlungsbereit, betonte Šefčovič auf X, behalte sich aber vor, die eigenen Interessen entschlossen zu verteidigen.
Trumps öffentliche Haltung ließ indes wenig Raum für Optimismus. „Wir haben bereits ein Angebot gemacht: Es liegt bei 50 Prozent“, erklärte der Präsident vor Journalisten im Weißen Haus. Auf Truth Social hatte er zuvor die Verhandlungen mit Brüssel als „sinnlos“ bezeichnet. Dabei ist seine Taktik nicht neu: Auch im Streit mit China hatte Trump zunächst kategorisch jeden Deal ausgeschlossen – und schließlich doch eine Vereinbarung erzielt.
Berlin reagierte deutlich: Bundeswirtschaftsministerin Reiche erklärte, „Zollkonflikte kennen keine Sieger“, während Außenminister Wadephul die wirtschaftlichen Risiken für beide Seiten hervorhob. Deutschland unterstütze die Verhandlungen der EU-Kommission, bereite sich aber ebenso auf ein Scheitern vor.
Denn Brüssel plant bereits Gegenzölle. Sollte Washington an der Eskalation festhalten, würden US-Waren im Wert von bis zu 100 Milliarden Euro mit zusätzlichen Abgaben belegt – ein Volumen, das gezielt Schlüsselbranchen wie Agrarprodukte, Maschinenbau und Technologie trifft.
Parallel zur EU-Kritik richtete Trump seine handelspolitische Offensive gegen Apple. Sollte der Konzern seine iPhones nicht in den USA produzieren, drohe ihm ein Sonderzoll von 25 Prozent – ein Schritt, der auch andere Hersteller wie Samsung betreffen soll. Apple, das nach früherem Druck bereits Teile seiner Fertigung nach Indien verlagert hatte, rechnet im laufenden Quartal mit Zusatzkosten von rund 900 Millionen Dollar.
Trump bleibt bei seiner Linie: Protektionismus als Mittel politischer Machtdemonstration – ohne Rücksicht auf diplomatische Gepflogenheiten oder wirtschaftliche Kollateralschäden. Die EU steht nun vor der Herausforderung, Stärke zu zeigen, ohne die Tür zur Einigung zuzuschlagen.




