Steigende Mieten in Deutschland: Ein Markt für Gutverdiener
- Die Angebotsmieten in Deutschland steigen doppelt so schnell wie die Verbraucherpreise.
- Der Wohnungsmarkt wird zunehmend ein Markt für Gutverdiener, was Fachkräfte, Studierende und Normalverdiener spürbar trifft.
Die Angebotsmieten in Deutschland steigen doppelt so schnell wie die Verbraucherpreise. Das klassische Mietangebot schrumpft, während befristete und möblierte Wohnungen boomen. Der Wohnungsmarkt wird zunehmend ein Markt für Gutverdiener, was Fachkräfte, Studierende und Normalverdiener spürbar trifft.
Im vierten Quartal 2025 stiegen die Angebotsmieten laut „Greix“-Mietpreisindex um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist doppelt so stark wie die allgemeine Teuerung. Besonders stark war der Anstieg in Köln und München.
Seit 2015 haben sich die Angebotsmieten um 14 Prozent stärker verteuert als das allgemeine Preisniveau. Die Schere zwischen Einkommen, Lebenshaltungskosten und Wohnkosten geht weiter auseinander.
Der Anteil befristeter und möblierter Wohnungen erreicht neue Höchststände. 2025 entfielen bundesweit 17 Prozent aller Inserate auf dieses Segment, in den größten Städten fast 25 Prozent, in München sogar ein Drittel.
Für Wohnungssuchende bedeutet das höhere Quadratmeterpreise, geringere Mieterschutzrechte und unsicherere Wohnverhältnisse. Befristete Verträge und Möblierungszuschläge umgehen Mietpreisregulierungen und maximieren Renditen.
Projektleiter Jonas Zdrzalek vom IfW betont: Das klassische, unbefristete Mietangebot schrumpft, die Preise steigen, und die Konditionen werden härter.
In München liegt die durchschnittliche Kaltmiete bei 23,35 Euro pro Quadratmeter, in Frankfurt bei 17,36 Euro – gegenüber einem bundesweiten Schnitt von 14,41 Euro.
Für Haushalte mit mittleren Einkommen, Studierende, Auszubildende und Berufseinsteiger werden diese Niveaus untragbar. In vielen Städten entscheidet die Wohnkostenfrage über den Arbeitsplatz.
Das verfügbare Angebot nimmt ab. Im vierten Quartal 2025 lag die Zahl der Mietinserate sieben Prozent unter dem Vorjahreswert, gegenüber 2015 sogar um 20 Prozent niedriger.
Bestandsmieter mit günstigen Altverträgen ziehen kaum noch um. Viele Wohnungen werden ohne öffentliche Inserate vergeben. Der offene Markt trocknet aus, die Transparenz sinkt, der Wettbewerb verschärft sich.
Der Mietanstieg ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Ausdruck eines strukturellen Ungleichgewichts. Solange diese Faktoren bestehen, bleibt der Druck auf die Angebotsmieten hoch.
Der Wohnungsmarkt wird zum limitierenden Faktor für Arbeitsmobilität, Fachkräftezuzug und soziale Durchmischung. Ohne Neubau, kluge Regulierung und langfristige Planung droht die Wohnungsfrage zur zentralen Belastungsprobe zu werden.