Steigende Krankenkassenbeiträge belasten Arbeitnehmer und Arbeitgeber: Reformdruck wächst
- 42 von 93 Krankenkassen erhöhen Zusatzbeiträge, was Arbeitnehmer und Arbeitgeber belastet.
- Die Bundesregierung plant Reformen, um den Beitragsanstieg zu bremsen und strukturelle Defizite zu beheben.
Zum Jahresbeginn haben 42 von 93 gesetzlichen Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge erhöht. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag stieg von 3,13 Prozent auf 3,36 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich die Beiträge, was zu weniger Nettogehalt und höheren Personalkosten führt. Bei einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro bedeutet dies etwa 3,50 Euro weniger netto pro Monat.
Der Zusatzbeitrag ergänzt den einheitlichen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Ursprünglich zur Förderung des Wettbewerbs gedacht, dient er nun zur Deckung struktureller Defizite.
Versicherte haben bei Beitragserhöhungen ein Sonderkündigungsrecht, das jedoch selten genutzt wird. 2025 wechselten nur fünf Prozent der Versicherten ihre Krankenkasse.
Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung verschlechtert sich. Für 2025 werden Ausgaben von 347 Milliarden Euro erwartet, 2026 könnten es 370 Milliarden Euro sein.
Besonders Krankenhausbehandlungen und Medikamente treiben die Kosten. Auch ärztliche Behandlungen, Krankengeld sowie Personal-, Energie- und Sachkosten steigen.
Der demografische Wandel verstärkt diese Dynamik. Eine alternde Bevölkerung benötigt mehr medizinische Leistungen, während die Zahl der Beitragszahler langsamer wächst.
Die Bundesregierung plant Reformen, um den Beitragsanstieg zu bremsen. Eine Expertenkommission soll bis zum Frühjahr Vorschläge erarbeiten.
Diskutiert werden strukturelle Eingriffe wie ein Primärarztsystem, höhere Zuzahlungen und neue Abgaben auf gesundheitsschädliche Konsumgüter.
Trotz steigender Beiträge bleiben viele Versicherte ihrer Krankenkasse treu. Ein Wechsel kann jedoch mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.
Die Beitragserhöhungen sind ein Symptom eines strukturellen Problems. Ohne Reformen drohen weiter steigende Kosten. Der politische Spielraum wird enger, die Erwartungen an Reformvorschläge sind hoch.