Zum Jahreswechsel sendet der Kreml gleich zwei Signale: außenpolitisch betont Präsident Wladimir Putin die strategische Nähe zu Nordkorea, innenpolitisch wächst in Russland der Optimismus, dass der Krieg gegen die Ukraine in absehbarer Zeit enden könnte. Ein Brief an Machthaber Kim Jong Un und aktuelle Umfrageergebnisse zeichnen das Bild einer selbstbewusster auftretenden russischen Führung.
In einem Neujahrsgruß an Kim Jong Un hob Putin die enge militärische Kooperation zwischen Moskau und Pjöngjang hervor. Nach Angaben der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA würdigte der russische Präsident insbesondere den Einsatz nordkoreanischer Soldaten, die russische Truppen bei Operationen unterstützt haben sollen. Diese Zusammenarbeit, so Putin, unterstreiche die besondere Bindung beider Staaten.
Konkret verwies der Kremlchef auf Gefechte in der russischen Grenzregion Kursk sowie auf technische und ingenieurwissenschaftliche Leistungen nordkoreanischer Kräfte auf russischem Boden. Der Ton des Schreibens macht deutlich: Moskau versteht die Partnerschaft mit Nordkorea zunehmend als strategisches Element im Konflikt mit dem Westen.
Westliche und südkoreanische Geheimdienste gehen davon aus, dass Nordkorea im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Soldaten nach Russland entsandt hat. Diese sollen vor allem in Grenzgebieten eingesetzt worden sein. Zusätzlich ist von Lieferungen schwerer Waffen die Rede, darunter Artilleriemunition sowie Raketen- und Langstreckensysteme. Erst im Frühjahr räumte Nordkorea offiziell ein, militärisches Personal nach Russland geschickt zu haben.
Parallel zu diesen außenpolitischen Signalen zeigt eine aktuelle Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts WZIOM einen bemerkenswerten Stimmungswandel in der russischen Bevölkerung. Rund 70 Prozent der Befragten sehen das Jahr 2026 als günstiger für Russland als das laufende. Mehr als die Hälfte verbindet diese Erwartung ausdrücklich mit einem Ende des Krieges.
Vertreter des Instituts begründen den Optimismus mit mehreren Faktoren: der laufenden russischen Offensive, der aus ihrer Sicht nachlassenden finanziellen Unterstützung Kiews durch die USA sowie der begrenzten Fähigkeit der Europäischen Union, diese Lücke vollständig zu schließen. Die russische Regierung bezeichnet den Krieg weiterhin offiziell als „militärischen Sondereinsatz“.
Die Kombination aus demonstrativer Nähe zu Nordkorea und positiven Erwartungen in der Bevölkerung wirkt wie ein bewusst gesetztes Signal. Nach außen zeigt der Kreml, dass Russland auch abseits westlicher Bündnisse handlungsfähig bleibt. Nach innen wird der Eindruck vermittelt, dass die eigenen Ziele erreichbar sind – und ein Ende des Konflikts zumindest greifbar erscheint.




