Rheinmetall liefert innerhalb von nur 48 Stunden zwei Verträge im Gesamtvolumen von rund 5,9 Milliarden Euro – und setzt damit ein klares Signal: Der Konzern beschleunigt seinen Umbau zu einem fokussierten Verteidigungsunternehmen. Puma-Schützenpanzer, militärische Weltraumaufklärung und neue Produktionskapazitäten sichern langfristige Auslastung und stützen den ohnehin rekordhohen Auftragsbestand.
Den größten Einzelauftrag liefert eine Erweiterung des Puma-Programms. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) beauftragte das Joint Venture PSM – bestehend aus Rheinmetall und KNDS Deutschland – mit der Lieferung von 200 zusätzlichen Schützenpanzern.
Zum Auftrag gehören neben den Fahrzeugen auch Schutzmodule und Logistikcontainer. Für Mitte 2026 ist eine weitere Vertragsergänzung vorgesehen, die den Bauzustand S2 einführt – mit verbesserter Sensorik und zusätzlichen Fähigkeiten zur Drohnenabwehr auf Basis des Jackal-Turms. Der Puma bleibt damit das zentrale Gefechtsfahrzeug der deutschen Panzergrenadiere und wird technologisch weiter aufgerüstet.
Bereits einen Tag zuvor folgte der zweite Milliardenvertrag: 1,7 Milliarden Euro brutto für weltraumgestützte Aufklärung.
Über das Joint Venture Rheinmetall ICEYE Space Solutions sichert sich Rheinmetall erstmals einen substanziellen Platz im militärischen Weltraumsegment. Partner ist der finnische Satellitenspezialist ICEYE, der auf Synthetic-Aperture-Radar-Satelliten (SAR) spezialisiert ist.
Kernelemente des Projekts „SPOCK 1“:
Konzernchef Armin Papperger betonte, dass moderne Streitkräfte ohne weltraumgestützte Aufklärung, Kommunikation und Missionssteuerung nicht mehr handlungsfähig seien. Mit diesem Auftrag verlässt Rheinmetall klar die rein terrestrische Perspektive und erweitert sein Portfolio um ein strategisch sensibles Hochtechnologiesegment.
Parallel zu den Auftragseingängen stärkt Rheinmetall seine industrielle Basis. In Szeged (Ungarn) wurde im Dezember ein neues Hybridwerk eröffnet, in dem zivile und militärische Produkte unter einem Dach gefertigt werden.
Das Werk soll zusätzliche Kapazitäten für das wachsende Verteidigungsgeschäft schaffen und die europäische Produktionspräsenz absichern.
Die Aufträge fallen in eine Phase klarer strategischer Zuspitzung. Rheinmetall kündigte Mitte Dezember den Verkauf der zivilen Sparte Power Systems an. Künftig soll der Konzern vollständig auf Verteidigung ausgerichtet sein. Der Abschluss der Transaktion ist für das erste Quartal 2026 geplant.
Im Zusammenhang mit dem Verkauf wurde zwar eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von 350 Millionen Euro verbucht, operativ bleibt der Trend jedoch eindeutig positiv. Die Prognose für 2025 wurde angehoben:
Der Auftragsbestand lag zuletzt bei 64 Milliarden Euro, ein Plus von 23 % gegenüber dem Vorjahr. Die neuen Puma- und Satellitenverträge dürften diesen Rekordwert weiter erhöhen und sorgen für jahrelange Erlössichtbarkeit.
Die Börse hat den strategischen Kurswechsel längst eingepreist. Seit Jahresanfang liegt die Aktie rund 158 % im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar bei über 150 %. Gleichzeitig zeigt sich eine ausgeprägte Volatilität: Der Kurs notiert deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch und unter wichtigen gleitenden Durchschnitten – ein Zeichen für eine laufende Konsolidierungsphase nach dem extremen Anstieg.




