Das US-Justizministerium hat eine weitere große Tranche von Akten aus den Ermittlungen gegen den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlicht. Die Dokumente nennen erneut prominente Namen und geben Einblicke in Epsteins Kontakte. Besonders brisant sind E-Mail-Entwürfe, in denen Epstein schwere Vorwürfe gegen den Microsoft-Mitgründer Bill Gates erhebt. Gates reagiert umgehend und weist die Anschuldigungen als haltlos zurück.
Nach Angaben des stellvertretenden US-Justizministers Todd Blanche wurden mehr als drei Millionen Seiten freigegeben. Die nun veröffentlichten Unterlagen waren bei einer ersten Veröffentlichung im Dezember zurückgehalten worden. Sie sind auf der Website des US-Justizministeriums einsehbar und umfassen interne Notizen, E-Mails sowie Zusammenstellungen aus den Ermittlungen.
In den Dokumenten tauchen erneut Namen auf, die bereits aus früheren Veröffentlichungen bekannt sind, darunter Bill Gates, Elon Musk und der frühere britische Prinz Andrew. Keiner der Genannten ist bislang offiziell angeklagt worden.
Besondere Aufmerksamkeit erhalten mehrere E-Mail-Entwürfe aus dem Jahr 2013, in denen Epstein Gates schwer belastet. Darin wirft er ihm unter anderem außereheliche sexuelle Kontakte vor und behauptet, er habe Gates dabei geholfen, „Drogen“ zu beschaffen, um mit den Folgen von Sexualkontakten fertigzuwerden. Der Begriff „drugs“ ist im Original nicht eindeutig und könnte sich auch auf Medikamente, etwa gegen sexuell übertragbare Krankheiten, beziehen.
In einem weiteren Entwurf heißt es, Gates habe Epstein gebeten, E-Mails über eine angebliche Geschlechtskrankheit, die Beschaffung von Antibiotika sowie intime Beschreibungen zu löschen. Die genannten Behauptungen sind nicht belegt und stammen ausschließlich aus internen Entwürfen Epsteins.
Bill Gates ließ noch am Freitag über seine Stiftung erklären, es handele sich um „absolut absurde und vollkommen falsche Behauptungen“ eines „erwiesenen, verbitterten Lügners“. Bekannt ist, dass Gates und Epstein in der Vergangenheit Kontakt hatten. Gates hatte dies selbst eingeräumt und erklärt, es sei um mögliche philanthropische Projekte gegangen.
Die neuen Dokumente legen nahe, dass Gates den Kontakt zu Epstein abbrechen wollte. US-Medien berichten, dass kurz zuvor ein gemeinsames Vorhaben der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung mit der Bank JPMorgan Chase gescheitert war, auf das Epstein gedrängt haben soll.
Neben Gates wird in den Unterlagen erneut Prinz Andrew Mountbatten-Windsor erwähnt. Demnach soll er Epstein im Jahr 2010 in den Buckingham-Palast eingeladen haben. Ob es tatsächlich zu einem Besuch kam, geht aus den Dokumenten nicht hervor. Andrew hat inzwischen seine militärischen Ränge und royalen Titel verloren.
Auch Elon Musk taucht in den Akten auf. Mehrere E-Mail-Wechsel zwischen ihm und Epstein werden erwähnt, darunter eine Nachricht, in der Musk nach der „wildesten Party“ auf Epsteins Insel fragt. Ein Zusammenhang mit strafbarem Verhalten wird daraus nicht abgeleitet.
Zudem finden sich Hinweise auf weitere prominente Persönlichkeiten wie den britischen Unternehmer Richard Branson. Die Angaben sind nicht verifiziert, und keiner der Genannten wurde offiziell beschuldigt.
Jeffrey Epstein stand im Verdacht, über Jahre hinweg minderjährige Mädchen und junge Frauen missbraucht und teilweise an einflussreiche Personen vermittelt zu haben. Er war 2008 erstmals verurteilt worden, erhielt jedoch nach einem umstrittenen Deal eine vergleichsweise milde Strafe. 2019 wurde er erneut festgenommen und wenige Wochen später tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden. Offiziell wurde sein Tod als Suizid eingestuft.
Mit jeder neuen Veröffentlichung wächst der öffentliche Druck, die Rolle von Epsteins Kontakten umfassend aufzuklären. Die aktuellen Dokumente liefern neue Einblicke, werfen aber zugleich Fragen nach Einordnung, Beweiswert und politischer Verantwortung auf.



