Miele: Betrugsmasche deckt Schwachstellen im Vertrieb auf
- Miele wurde Opfer eines Betrugs, bei dem eine Großfamilie über 200.000 Euro erbeutete.
- Die Täter nutzten ein Vertriebsmodell ohne Bonitätsprüfung aus, was zu unbezahlt gebliebenen Bestellungen führte.
Der Hausgerätehersteller Miele befindet sich in einer Sanierungsphase und plant bis 2028 Einsparungen von 500 Millionen Euro. In dieser Zeit wurde das Unternehmen Opfer eines Betrugs, bei dem eine Großfamilie über 200.000 Euro erbeutete.
Die Täter nutzten ein Vertriebsmodell aus, bei dem Servicetechniker Kunden vor Ort Geräte verkauften. Die Ware wurde sofort geliefert, ohne Bonitätsprüfung. Dies ermöglichte es der Tätergruppe, zahlreiche Bestellungen aufzugeben, die unbezahlt blieben.
Innerhalb von sieben Wochen bestellten die Täter rund 100 Geräte im Wert von über 200.000 Euro. Die Bestellungen liefen auf verschiedene Namen und Adressen, was zunächst keinen Alarm auslöste.
Die Geräte wurden nicht für den Eigenbedarf genutzt, sondern über Kleinanzeigenportale oder an lokale Händler weiterverkauft. Die Händler schöpften keinen Verdacht, da Originalrechnungen vorgelegt wurden.
Im Frühjahr 2025 bemerkte Miele Unregelmäßigkeiten im Forderungsmanagement und erstattete Anzeige. Die Ermittlungen führten zu Durchsuchungen in mehreren Städten, bei denen Waffen sichergestellt wurden.
Drei Brüder der Täterfamilie kamen in Untersuchungshaft und legten Geständnisse ab. Gegen fünf Personen wurde Anklage erhoben, darunter der Vater der Brüder.
Die Miele-Servicetechniker geraten nicht in den Fokus der Ermittlungen, da sie keine finanziellen Vorteile aus den Betrugsfällen zogen. Miele hat seine internen Prozesse überprüft und verschärft.
Der Betrug zeigt, wie verwundbar selbst traditionsreiche Unternehmen durch operative Detailprozesse werden können, insbesondere in Zeiten von Kostendruck und Effizienzsteigerung.