Ein Verfahrensschritt in den US-Sammelklagen rückt das Krebsrisiko von Talkum erneut in den Fokus – und drückt die Aktie trotz solider Geschäftszahlen.
Ein erneuter Dämpfer im jahrelangen Rechtsstreit um angeblich asbestverseuchtes Babypuder setzt die Aktie von Johnson & Johnson unter Druck. Die Papiere des US-Pharma- und Konsumgüterkonzerns verloren zeitweise rund zwei Prozent, nachdem ein gerichtlich bestellter Sachverständiger empfohlen hatte, zentrale Aussagen von Klägern im Verfahren zuzulassen.
Konkret geht es um Zeugenaussagen, die einen Zusammenhang zwischen dem Talkum-Babypuder von J&J und der Entstehung von Eierstockkrebs herstellen sollen. Die Empfehlung könnte die Beweisaufnahme in Tausenden anhängiger Klagen ausweiten – und damit die rechtlichen Risiken für den Konzern deutlich erhöhen.
Johnson & Johnson versucht seit Jahren, die milliardenschweren Haftungsrisiken aus den Talkum-Klagen durch Vergleichsmodelle und Umstrukturierungen einzugrenzen. Der nun empfohlene Schritt des Gerichtsexperten erschwert diese Strategie, da er den Klägern zusätzlichen Spielraum verschafft, medizinische Kausalzusammenhänge vor Gericht zu untermauern.
Für Investoren ist dies ein Warnsignal: Je stärker die Beweislast gegen den Konzern ausfällt, desto höher könnten potenzielle Vergleichssummen oder Schadenersatzurteile ausfallen – mit direkten Folgen für Cashflow und Rückstellungen.
Der juristische Rückschlag trifft J&J zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Erst kürzlich hatte der Konzern mit besser als erwarteten Geschäftszahlen und einer angehobenen Prognose überzeugt. Operativ läuft es in den Sparten Pharma und Medizintechnik robust, auch der Konsumgüterbereich zeigt Stabilisierungstendenzen.
Doch wie so oft bei Großprozessen überlagert das Haftungsrisiko die operative Entwicklung. Der Kapitalmarkt bewertet nicht nur Gewinne, sondern vor allem Unsicherheit – und die ist im Babypuder-Komplex weiterhin erheblich.
Der Fall zeigt, wie stark Altlasten aus der Produkthaftung selbst bei einem der solidesten Konzerne der Welt auf die Bewertung durchschlagen können. Solange die Gerichte eine Verbindung zwischen Talkum und Krebs nicht endgültig verwerfen, bleibt der Babypuder-Streit ein struktureller Risikoabschlag für die Johnson-&-Johnson-Aktie – unabhängig von der operativen Stärke des Konzerns.




