„Kostenloser persönlicher Plan“ klingt nach Service. Ökonomisch ist es ein Vertriebssystem, das Steuerargumente als Rendite verkauft und die Kosten in lange Vertragslaufzeiten einpreist. Warum viele mit einem einfachen ETF-Depot am Ende besser fahren.
InvestPlan bzw. das Umfeld rund um „ProfessorFinanzen“ ist kein klassischer Vermögensverwalter, der Portfolios eigenständig steuert. Es handelt sich um eine digitale Beratungs- und Vertriebsstrecke. Der Einstieg ist ein „kostenloser persönlicher Plan“. Das Ziel ist in der Regel ein Abschluss – meist in Produktkategorien, die seit Jahrzehnten nach demselben Prinzip funktionieren: ETF-Investments werden in Versicherungs- oder Förderhüllen gepackt, weil dort Provisionen und laufende Bestandsvergütungen verlässlich fließen.
Das ist kein Betrug. Es ist aber ein Geschäftsmodell, dessen ökonomische Realität mit der Werbebotschaft nur lose verbunden ist. Provisionen kommen nicht aus dem Nichts. Sie stecken in Abschluss- und Verwaltungskosten, die über Jahre oder Jahrzehnte aus den Beiträgen bezahlt werden – unsichtbar, aber real.
„Du zahlst nichts – wir bekommen eine kleine Provision“ ist formal korrekt. In der Praxis bedeutet es: Die Kosten sind im Produkt eingepreist. Besonders problematisch wird es bei bruttoprovisionierten Verträgen. Dort ist der Interessenkonflikt nicht die Ausnahme, sondern systematisch eingebaut. Nettopolicen ohne Provision wären eine Alternative, werden in solchen Funnels jedoch seltener angeboten, weil sie das Geschäftsmodell weniger tragen.
Der Claim „bis zu 42 Prozent mehr Vermögen“ entsteht nicht durch überlegene ETF-Auswahl. Er entsteht durch Annahmen und Vergleichsdesign.
Erstens: Steuerstundung und Förderlogik. Versicherungs- und Förderhüllen können steuerliche Vorteile bieten, etwa bei Umschichtungen oder der Auszahlungsphase. Zulagen und Absetzbarkeit wirken aber nur, wenn Einkommen, Familienstand, Laufzeit und Produktdetails exakt passen. „Bis zu“ meint Extremfälle, nicht den Durchschnitt.
Zweitens: Das Referenzszenario ist oft bewusst schwach. „Ohne InvestPlan“ bedeutet dann ein unoptimierter ETF-Sparplan, ohne Freibeträge, ohne saubere Entnahmestrategie. „Mit InvestPlan“ bedeutet maximal optimierte Annahmen plus Steuerstundung. Das ist juristisch zulässig, aber inhaltlich Framing. Wer so vergleicht, kann fast jede Mantelkonstruktion besser aussehen lassen.
Der zentrale Denkfehler: Steuerersparnis wird als Rendite verkauft. In Wahrheit ist sie ein Tausch. Anleger geben Flexibilität ab, binden Kapital langfristig, akzeptieren Komplexität und tragen zusätzliche Kosten. Versicherungsmäntel bringen Policenkosten, Verwaltung, oft eingeschränkte Fondsauswahl und manchmal Wechsel- oder Ausstiegshürden.
Ein freies ETF-Depot ist das kosten- und freiheitsoptimierte Basismodell. Jede Hülle muss ihren Mehrwert individuell beweisen. Hinzu kommt das politische Risiko: Riester und Rürup sind Gesetzestexte. Wer sich 30 Jahre bindet, wettet nicht nur auf Märkte, sondern auch auf künftige Gesetzgebung.
Das Marketing ist professionell: Autoritätsaufbau, moralischer Druck („du verschenkst Geld“), Verlustaversion, Zero-Price-Bias („100 % kostenlos“) und schrittweises Commitment vom Rechner zum Beratungsgespräch. Das Muster ist alt – Strukturvertrieb mit besserem UX. Wer im Call sitzt, will „klug optimieren“ und ist damit offen für Produkte, die Optimierung versprechen, aber mit Bindung und Kosten bezahlt werden.
In der Praxis laufen Gespräche häufig auf drei Pfade hinaus:
– fondsgebundene Rentenversicherungen mit ETF-Bausteinen,
– Riester- oder Rürup-Varianten,
– ein „steueroptimierter ETF-Plan“ mit Plattform- und Produktbindung.
Das ist keine Unterstellung, sondern die gängige Produktwelt, in der solche Funnels wirtschaftlich funktionieren.
InvestPlan verkauft primär Abschlusslogik, nicht Anlagekompetenz. „Kostenlos“ suggeriert Preiswahrheit, obwohl die Kosten im Produkt stecken. „42 Prozent mehr“ suggeriert Rendite, obwohl es oft ein Tauschgeschäft ist. Für wenige Profile kann das passen. Für viele ist es unnötig teuer und unnötig kompliziert.
Die unbequeme Pointe bleibt: Wer mit „kostenlos“ startet, zahlt häufig am längsten.




