Deutsche Premium-E-Autos, chinesische Kampfpreise und eine Politik zwischen Panik und Versprechen – die IAA 2025 zeigt, wie ernst die Lage geworden ist.
Wenn Mercedes-Entwicklungschef Markus Schäfer in München den 1.360-PS-Boliden AMG GT XX mit Schmutz und Insektenresten auf die Bühne stellt, ist das mehr als Show. Es ist ein Statement: Die deutschen Autobauer wollen beweisen, dass sie das Elektrozeitalter nicht verschlafen haben. 40.000 Kilometer nonstop, 25 Rekorde – die Botschaft lautet: Wir können es noch.
BMW, Mercedes und Volkswagen haben in wenigen Tagen eine Flut neuer Modelle präsentiert. Von Premium-Boliden bis zum angekündigten VW ID. Polo für 25.000 Euro. Gleichzeitig stehen auf der IAA die Fahrzeuge von BYD, Nio oder SAIC – marktreif, preislich aggressiv, digital auf Augenhöhe. BYD etwa verkaufte in Deutschland von Januar bis Juli 2025 rund 420 % mehr Fahrzeuge als im Vorjahr.
Die Chinesen haben nicht nur günstige Autos, sondern auch ihre Infrastruktur im Griff: BYD fertigt Batterien selbst, CATL liefert flexible Zellkonzepte. Dazu kommt ein Vertriebsnetz, das in Europa rasant wächst. Allein in Deutschland gibt es inzwischen 100 Verkaufsstellen.
Während die deutschen Hersteller technische Fortschritte feiern – schnellere Ladezeiten, höhere Reichweiten, Software ohne die Pannen der ersten E-Generation – bleibt die Frage: Reicht das? Audi kämpft seit dem Dieselskandal mit angeschlagener Marke und verunsicherter Belegschaft. Zulieferer wanken, Insolvenzen häufen sich. In nur zwölf Monaten gingen nach Schätzungen 50.000 Jobs in der Branche verloren.
VW setzt mit seiner „Unified Cell“ auf eine Einheitsbatterie, die Skaleneffekte bringen soll. Doch während Volkswagen noch mit Stabilität kämpft, zeigt CATL auf der Messe gleich mehrere Zelltypen, frei kombinierbar – von extrem langlebig bis ultraschnell ladend.
Kanzler Friedrich Merz kündigte einen Autogipfel an, CSU-Chef Söder spricht von der „Zukunft der Industrie“, SPD-Finanzminister Klingbeil sorgt sich um weitere Arbeitsplatzverluste. Erste Pläne kreisen um Subventionen, Strompreise und Verbrenner-Fristen. Doch BMW-Finanzchef Walter Mertl warnt: „Die Vorstellung, man könne die Autoindustrie durch Subventionen retten, ist ein Trugschluss.“
China zeigt, wie teuer Dauerförderung wird – und selbst dort zieht die Regierung die Reißleine. BYD soll seine Zulieferer künftig binnen 60 Tagen bezahlen, ein Zeichen für wachsenden Druck auch im Subventionsparadies.
Die IAA 2025 macht sichtbar, was lange nur unterschwellig spürbar war: Es geht nicht mehr um Evolution, sondern ums Überleben. Premium-Qualität allein reicht nicht mehr. Preis, Tempo und Marktpräsenz entscheiden, wer sich in den kommenden fünf Jahren durchsetzt. Für Anleger heißt das: Die Karten am Automarkt werden gerade neu gemischt – und die Schlacht hat erst begonnen.




