Hohe Sparquote in Europa: Wachstumsgefahr trotz Zinssenkungen
- Die Sparquote im Euroraum liegt bei 15,45 Prozent, was das Wachstum gefährdet.
- Experten fordern Strukturreformen, um die Konsumfreude zurückzubringen.
In Europa bleibt der Konsum trotz gestiegener Reallöhne und Zinssenkungen schwach. Die Sparquote im Euroraum liegt bei 15,45 Prozent, deutlich über dem Durchschnitt seit Einführung des Euro. Deutsche Haushalte sparen besonders viel, was das Wachstum gefährdet.
Die Europäische Zentralbank hat seit Mitte 2024 achtmal die Zinsen gesenkt. Der Einlagenzins liegt bei 2,0 Prozent, doch Konsum und Investitionen ziehen nicht an. In Deutschland ist die Sparquote mit über 19 Prozent besonders hoch, was die Wirtschaft bremst.
Viele Deutsche sparen ineffizient, indem sie Bargeld und Sichteinlagen halten, die kaum verzinst werden. Das hohe Sicherheitsbedürfnis ist eine Nachwirkung vergangener Krisen. Zudem nähern sich die Babyboomer dem Ruhestand, was die Sparquote weiter erhöht.
Der Kauf langlebiger Konsumgüter wie Autos und Möbel wird zurückgestellt. Auch Verbraucherkredite gehen zurück. Die hohe Inflation belastet vor allem einkommensschwache Haushalte, die bei Lebensmitteln sparen müssen.
Das Ifo-Institut warnt, dass eine anhaltend hohe Sparquote das deutsche BIP-Wachstum verlangsamen könnte. Weniger Konsum führt zu geringeren Unternehmensgewinnen und sinkenden Steuereinnahmen, was die Wirkung der EZB-Zinspolitik untergräbt.
Experten fordern Strukturreformen, um die Konsumfreude zurückzubringen. Deutschland braucht weniger Bürokratie und mehr Reformtempo, um die Angst vor Arbeitsplatzverlust zu mindern. Ohne Kurswechsel droht eine Sparfalle, die Europa in Stagnation hält.