Berichte über einen neuen, im Geheimen ausgehandelten Friedensplan zwischen den USA und Russland setzen die Ukraine unter erheblichen Druck. Nach Informationen der „Financial Times“ und von Reuters soll Washington Kiew große Zugeständnisse nahelegen – darunter die Räumung der noch umkämpften Gebiete Donezk und Luhansk sowie eine drastische Reduzierung der ukrainischen Streitkräfte.
Laut dem US-Portal „Axios“ soll Trumps Sondergesandter Steve Witkoff den Plan Ende Oktober gemeinsam mit dem russischen Unterhändler Kirill Dmitrijew ausgearbeitet haben. Witkoff habe den Entwurf anschließend dem ukrainischen Sicherheitsratschef Rustem Umjerow vorgestellt. Kremlsprecher Dmitri Peskow dementierte indes, es gebe neue Vorschläge – man halte an den bisherigen Positionen fest.
Für Kiew kommt die Nachricht zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt: Militärisch steht der Fall der ostukrainischen Stadt Pokrowsk unmittelbar bevor, mehrere Stellungen im Süden mussten aufgegeben werden. Innenpolitisch steckt Präsident Wolodymyr Selenskyj wegen eines Korruptionsskandals in der Defensive; zwei Minister sind bereits zurückgetreten, weitere personelle Konsequenzen werden erwartet.
Der Rahmenentwurf, über den internationale Medien übereinstimmend berichten, enthält weitreichende Forderungen an die Ukraine:
Damit würden zentrale russische Forderungen erfüllt, die Moskau seit Jahren unverändert aufrechterhält.
Trump hatte bereits früher von einem „Gebietsaustausch“ gesprochen, zeigte sich zuletzt jedoch enttäuscht über mangelnde Kompromissbereitschaft des Kremls. Er ließ einen geplanten Gipfel in Budapest platzen und verhängte harte Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil.
Auf X erklärte US-Außenminister Marco Rubio, Washington arbeite weiterhin an „Ideen zur Beendigung des Krieges“, basierend auf Beiträgen beider Konfliktparteien.
Offiziell äußerte sich Kiew nicht zu den neuen Berichten. Selenskyj appellierte jedoch an Trump, sich für einen „gerechten Frieden“ einzusetzen. Nur die USA hätten genug Macht, den Krieg zu beenden, schrieb er in sozialen Netzwerken. Nach Gesprächen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan betonte Selenskyj, dass Ankara und Katar als Vermittler bereitstünden.
In EU-Hauptstädten war der angebliche Plan bislang kaum bekannt. EU-Diplomaten vermuten, dass Moskau ein Interesse an der Verbreitung solcher Berichte haben könnte – als Ablenkung von der Wirkung der jüngsten US-Sanktionen gegen die russische Ölindustrie.
Ein Vertreter der US-Regierung sagte „Politico“, Selenskyj werde unter innenpolitischem und militärischem Druck einlenken müssen; die Vorschläge seien „vernünftig“. Rücksicht auf europäische Verbündete sei dabei kaum genommen worden.




