Das wichtigste Quartal im Gaming steht bevor – doch Nintendo und Sony scheinen leer auszugehen. Können betagte Konsolen und hohe Preise die Fans noch begeistern?
Die Vorweihnachtszeit ist normalerweise die goldene Stunde der Gaming-Industrie. Doch in diesem Jahr wird es für Nintendo und Sony nicht ganz so glänzend. Mit der Switch, einer sieben Jahre alten Konsole, und einer neuen PlayStation 5 Pro zum stolzen Preis von 700 US-Dollar stehen die beiden japanischen Giganten vor einer schwierigen Saison. Die Gaming-Welt fragt sich: Wo bleibt der große Wurf?
„Es sieht düster aus dieses Jahr,“ meint Gareth Sutcliffe von Enders Analysis. Und er ist nicht allein mit seiner Meinung: Analysten und Fans erwarten mit Skepsis die Weihnachtszeit – die ganz ohne neue Blockbuster im Gaming-Universum bleiben könnte. Wer gehofft hatte, dass Nintendo und Sony das Jahresende mit großen Neuigkeiten aufmischen, könnte enttäuscht werden.
Während Sony kürzlich die PlayStation 5 Pro auf den Markt brachte, stieß das Modell bei den Fans auf gemischte Reaktionen. Der Preis von 700 US-Dollar schreckt viele ab – vor allem, wenn man bedenkt, dass es im Vergleich zur regulären PS5 nur marginale Verbesserungen in Grafik und Leistung bietet. „Die PS5 Pro richtet sich an Hardcore-Fans“, erklärt Sony-Präsident Hiroki Totoki. Eine Verkaufsflut erwartet man bei Sony daher gar nicht. Tatsächlich haben viele Spieler den Eindruck, dass Sony hier mehr an den eigenen Gewinn als an ein revolutionäres Gaming-Erlebnis gedacht hat.
Nintendo hingegen geht in eine andere Richtung. Statt eines neuen, aufregenden Modells konzentriert man sich weiter auf die alteingesessene Switch. Ursprünglich plante das Unternehmen, bis Ende März 13,5 Millionen Einheiten zu verkaufen – nun wurden die Prognosen auf 12,5 Millionen gesenkt. Ein klares Signal, dass die alte Konsole langsam an Attraktivität verliert. Branchenkenner spekulieren schon lange auf eine neue Generation von Nintendo – und erwarten die Ankündigung eines Nachfolgers im kommenden Jahr.
Die Konsolen-Generation hat ihren Zenit offenbar überschritten: Während früher alle fünf Jahre neue Geräte auf den Markt kamen, befinden sich die PlayStation und Switch bereits im achten Jahr ihrer Lebenszyklen. Die Verkaufszahlen stagnieren, der Markt scheint gesättigt. Einige Experten wie Robin Zhu von Bernstein glauben daher, dass die Zukunft „post-hardware“ sein wird – also ohne dedizierte Konsolen. Cloud-Gaming und plattformübergreifende Spiele könnten den klassischen Konsolen zunehmend Konkurrenz machen.
Microsoft hat sich mit seinem Xbox Game Pass bereits in diese Richtung entwickelt. Das Abonnementmodell bietet Hunderte von Spielen und lässt sich auf verschiedenen Geräten streamen, was die Abhängigkeit von Konsolen reduziert. Vielleicht werden zukünftige Konsolen nur noch Nischenprodukte für High-End-Gamer – und die Zukunft des Gamings liegt in der Flexibilität, jederzeit und überall zu spielen.
Doch Nintendo scheint seinen eigenen Weg zu verfolgen. Der Erfolg der Switch hat der Branche gezeigt, dass Handheld-Geräte mit Docking-Funktion durchaus zukunftsfähig sind. Viele warten gespannt darauf, ob Nintendo erneut einen technologischen Coup landen kann. Die Spekulationen verdichten sich, dass der Nachfolger der Switch rückwärtskompatibel sein wird, sodass die Millionen von Spielen, die für die Switch erschienen sind, auch auf dem neuen Gerät laufen werden.
Serkan Toto, Experte bei Kantan Games, glaubt jedoch, dass Nintendo sich in einer schwierigen Übergangsphase befindet: „Nintendo muss die aktuelle Konsole weiterhin unterstützen und gleichzeitig die echten Blockbuster für den Launch des neuen Geräts zurückhalten.“ Ein Drahtseilakt, der zeigen wird, wie sehr Fans tatsächlich bereit sind, auf die nächste Konsole zu warten – und wie lange die Switch als Verkaufsschlager überleben kann.
„Konsolen stoßen an die Grenzen der Nachfrage“, erklärt Sutcliffe. Tatsächlich wird es für die Hersteller immer schwieriger, Spieler zu überzeugen, die teuren Konsolen der neuesten Generation zu kaufen. Die PS5 Pro ist hier ein Paradebeispiel: Mit einem 67-prozentigen Anstieg der Rechenleistung und 45 Prozent schnellerem Rendering, richtet sie sich explizit an Enthusiasten. Doch viele Fans zweifeln, ob dieser Preisaufschlag von 200 US-Dollar im Vergleich zur Standard-PS5 tatsächlich gerechtfertigt ist.
Selbst die Preisgestaltung der PS5 Pro wird zur Taktik: Zhu von Bernstein vergleicht sie mit einer „GTI-Version eines VW Golf – der heiße Bruder eines Mainstream-Produkts, gezielt für Enthusiasten.“ Die hohe Preisschwelle sorgt zudem für Diskussionen. Kritiker im Netz lassen kein gutes Haar am Preis der PS5 Pro, was Nintendo die Möglichkeit gibt, die nächste Switch zu einem saftigeren Preis von 400 oder sogar 450 US-Dollar zu verkaufen – ohne Empörung der Fangemeinde zu riskieren.
„Die Leute kaufen Konsolen heute nur noch alle paar Jahre“, sagt der Entwickler Miguel Angel auf der Tokyo Game Show. „Gaming ist teuer geworden, und das spüren die Konsumenten.“ Ob Nintendo den richtigen Preis für den Switch-Nachfolger finden wird und Sony weiterhin auf Premium-Nischenprodukte setzt, bleibt abzuwarten. Klar ist nur: Die Gaming-Industrie steht an einem Wendepunkt – und die Fans sind bereit für eine Veränderung.



