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Europas Versicherer: Renaissance dank stabiler Cashflows und M&A-Fantasie

  • Europas Versicherer erleben eine Renaissance mit beeindruckender Aktienperformance.
  • Strukturwandel und M&A-Fantasie treiben den Sektor an, trotz Herausforderungen in der Schweiz.

Der europäische Versicherungssektor erlebt eine Renaissance. Trotz eines Durchschnittsalters von 170 Jahren zeigen die Aktien der zehn größten börsennotierten Versicherer eine beeindruckende Performance, die selbst Tech-Start-ups neidisch macht.

Der Stoxx 600 Insurance Sub-Index stieg im ersten Halbjahr 2025 um 15 Prozent. Auf ein- und dreijähriger Sicht übertrifft er den S&P 500, und über fünf Jahre ist der Gleichstand fast erreicht.

Der Kursanstieg resultiert aus einem Strukturwandel: Seit dem Zinsanstieg 2022 profitieren Versicherer von höheren Erträgen auf festverzinsliche Portfolios. Expansive Fiskalpolitiken der Eurozone treiben die Renditen weiter nach oben.

In geopolitisch unruhigen Zeiten gilt der Sektor als sicherer Hafen. Die stabile Cashflow-Struktur europäischer Versicherer zieht internationale Investoren an. Andy Briggs von der Phoenix Group berichtet von wachsendem Interesse aus den USA.

Die starke Kursentwicklung hat ihren Preis: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Stoxx-Insurance-Index liegt bei 12,3, über dem historischen Durchschnitt von 10,5. Auch die Bewertung am Buchwert ist so hoch wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr.

In der Schweiz ist die Lage schwieriger. Die Stärke des Franken zwang die SNB, den Leitzins auf null zu senken, was heimische Versicherer wie Swiss Re und Zurich belastet.

Langfristig bleiben die Perspektiven robust. Analysten von KBW sprechen vom „attraktivsten makroökonomischen Umfeld seit einer Generation“, da die Inflation über früheren Zielwerten bleibt und langfristige Anleiherenditen positiv beeinflusst.

Konsolidierungsfantasie sorgt für zusätzliche Dynamik. Die Übernahme von Direct Line durch Aviva befeuert Spekulationen über weitere Zusammenschlüsse. Allianz setzt auf organisches Wachstum und peilt ein Gewinnwachstum pro Aktie von bis zu 9 Prozent an.

Europas Versicherer zeigen, dass sie mehr sind als Relikte einer vergangenen Finanzepoche, auch wenn sie noch nicht die Dimensionen von Nvidia erreichen.

Quelle: Eulerpool Research Systems