China hat Deutschland und Europa fest im Griff. Innerhalb weniger Tage könnte Peking die Produktion in zentralen Industrien lahmlegen – diesmal nicht durch Pandemien oder Lieferprobleme, sondern durch gezielte politische Entscheidungen. Seltene Erden, Metalle und Hightech-Materialien werden längst als geopolitisches Druckmittel eingesetzt. Und Europa? Reagiert zu langsam.
Pekings Rohstoffpolitik als Machtinstrument
Ob Elektromotor, Windturbine oder Rüstungstechnologie – ohne chinesische Rohstoffe steht alles still. Besonders kritisch ist der Exportstopp für Gallium und Germanium, die für Halbleiter, Sensoren und Wärmebildtechnik unverzichtbar sind. Im August erhielt Deutschland kein Gramm Gallium mehr aus China, im September kaum noch Germanium – während große Mengen ausgerechnet nach Russland gingen. Ein deutliches Signal aus Peking, das Europas Abhängigkeit schamlos ausnutzt.
Deutschlands Gegenmaßnahmen bleiben stecken
Zwar wurde vor einem Jahr ein Rohstofffonds über eine Milliarde Euro aufgelegt, um alternative Bezugsquellen zu fördern. Doch von den rund 40 eingereichten Projekten ist bislang keines bewilligt worden. Langwierige Verfahren und politische Zögerlichkeit bremsen jeden Fortschritt – während China weltweit neue Vorkommen sichert und den Markt dominiert.
Japans Strategie: Handeln statt abwarten
Japan zeigt, dass es auch anders geht. Als Peking 2010 selbst die Rohstofflieferungen einschränkte, reagierte Tokio schnell und entschlossen. Der Staat investierte umgerechnet über 500 Millionen Euro in mehr als 100 Rohstoffprojekte weltweit und baute eine Partnerschaft mit dem australischen Produzenten Lynas auf, heute nach China der zweitgrößte Anbieter seltener Erden. So reduzierte Japan seine Abhängigkeit binnen zehn Jahren von 90 auf 58 Prozent.
Zudem legte das Land strategische Reserven an, die eine Versorgung über sechs Monate sichern, und schuf ein eigenes Ministerium für wirtschaftliche Sicherheit, das eng mit Industrie und Wissenschaft zusammenarbeitet.
USA folgen – Deutschland zögert
Auch die Vereinigten Staaten setzen längst auf Eigenständigkeit. Das Pentagon hat seine Rohstoffreserven jüngst um eine weitere Milliarde Dollar aufgestockt, um kritische Materialien selbst vorzuhalten. In Deutschland hingegen sieht sich das Verteidigungsministerium weiterhin „nicht zuständig“ – ein Armutszeugnis angesichts der sicherheitspolitischen Dimension des Themas.
Europa braucht eine klare Rohstoffstrategie
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will mit der Initiative „RESourceEU“ die Abhängigkeit von China verringern und neue Lieferketten aufbauen. Doch ohne Geschwindigkeit, klare Zuständigkeiten und industriepolitische Entschlossenheit bleibt es bei Ankündigungen. Europa muss strategische Vorräte anlegen, Genehmigungen vereinfachen und gezielt in Minen, Recycling und Forschung investieren.
Denn China wird jede europäische Initiative zu unterlaufen versuchen – sei es durch Preisdumping oder gezielte Marktmanipulation. Wer sich darauf einlässt, riskiert erneut eine gefährliche Abhängigkeit.
Fazit:
Japan beweist, dass Rohstoffsouveränität möglich ist – mit klarem Kurs, staatlicher Unterstützung und Mut zur Umsetzung. Europa muss endlich denselben Weg gehen. Nur wer eigene Ressourcen sichert, kann wirtschaftlich und politisch souverän bleiben. Sonst bleibt der Kontinent Spielball in einem Machtkampf, dessen Regeln längst woanders geschrieben werden.



