EU und Mercosur: Historisches Freihandelsabkommen mit Chancen und Herausforderungen
- EU und Mercosur schließen nach 25 Jahren Verhandlungen ein Freihandelsabkommen.
- Der Vertrag verspricht wirtschaftliche Vorteile, stößt jedoch auf Kritik bezüglich Umwelt- und Landwirtschaftsstandards.
Nach über 25 Jahren Verhandlungen haben die EU und die Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ein Freihandelsabkommen geschlossen. Es gilt als bedeutender Wachstumstreiber, stößt jedoch auf Kritik bezüglich Landwirtschaft und Umweltstandards.
Der Vertrag sieht einen massiven Zollabbau vor. Die Mercosur-Staaten streichen Einfuhrabgaben auf 91 Prozent der EU-Exporte, darunter Autos und Maschinen. Der 35-Prozent-Zoll auf europäische Pkw wird über 15 Jahre schrittweise abgebaut.
Im Gegenzug öffnet die EU ihren Markt für 92 Prozent der südamerikanischen Waren. Der Zollabbau erfolgt innerhalb von zehn Jahren. Laut EU-Kommission sparen europäische Exporteure jährlich über vier Milliarden Euro.
Der Agrarteil des Abkommens ist umstritten. Die EU erlaubt zusätzliche Importquoten, die etwa 1,6 Prozent des EU-Rindfleischkonsums ausmachen. Das Abkommen schützt 350 geografische Herkunftsbezeichnungen wie Parmigiano Reggiano.
Landwirte befürchten Preisdruck durch günstigere Importe, die nicht den EU-Standards entsprechen. Die EU-Kommission sieht im Abkommen ein strategisches Instrument zur Diversifizierung der Lieferketten, insbesondere bei Rohstoffen wie Lithium.
Das Abkommen soll ein Gegengewicht zu den protektionistischen Tendenzen der USA bilden und der europäischen Industrie neue Märkte erschließen. Umweltorganisationen warnen vor beschleunigter Abholzung des Amazonas und kritisieren schwache Klimaschutzauflagen.
Politischer Widerstand kam vor allem aus Frankreich, Polen, Ungarn und Irland. Eine Sperrminorität wurde jedoch nicht erreicht. Italien gab seine Blockade auf und stimmte dem Abkommen zu.
Rund 12.500 deutsche Firmen exportieren bereits in die Mercosur-Staaten. Der Zollabbau verspricht ihnen Wettbewerbsvorteile, besonders in Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie und Medizintechnik.
Mit 700 Millionen Einwohnern und einem Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung entsteht eine der größten Freihandelszonen. Ökonomisch ist der Deal ein Meilenstein, gesellschaftlich bleibt er umstritten. Die Debatte über Landwirtschaft, Klima und Fairness beginnt erst.