Erste Greenwashing-Klage in Frankreich: TotalEnergies im Fokus
- Frankreichs erste Greenwashing-Klage gegen TotalEnergies fokussiert auf 44 Werbeaussagen.
- Umweltorganisationen kritisieren die Darstellung von Erdgas als nachhaltigen Energieträger.
Frankreichs erste Greenwashing-Klage richtet sich gegen TotalEnergies. Im Zentrum stehen 44 Werbeaussagen aus 2021, die laut Klägerseite ein falsches Bild des ökologischen Wandels zeichnen. Erdgas steht als zentraler Streitpunkt im Fokus.
Die Umweltorganisationen Greenpeace, Notre Affaire à Tous und Les Amis de la Terre werfen TotalEnergies vor, Erdgas in ihrer Rebranding-Kampagne als nachhaltigen Energieträger dargestellt zu haben. Dies wird als Verbrauchertäuschung durch „grünes“ Framing fossiler Energie kritisiert.
Die Klage ist ein Präzedenzfall in Frankreich und Europa. Beobachter aus Politik, Wissenschaft und Recht verfolgten die Auftaktanhörung. Die Frage: Kann ein Konzern, der fossile Aktivitäten ausbaut, sich als Vorreiter der „carbon neutrality“ positionieren?
TotalEnergies verteidigt sich, indem sie betonen, dass viele Kommunikationsmittel nicht an Verbraucher, sondern an institutionelle Adressaten gerichtet waren. Erdgas sei ein international anerkannter „transition fuel“ auf dem Weg zur Dekarbonisierung.
Besonders umstritten ist die Darstellung von Erdgas als „am wenigsten schädlichem fossilen Brennstoff“. Umweltjuristin Clémentine Baldon verweist auf den hohen Klimaschaden durch Methanlecks entlang der Produktions- und Lieferkette.
TotalEnergies verweist auf eine Analyse von Wood Mackenzie, die besagt, dass LNG über 100 Jahre eine um 60 Prozent geringere Erwärmungswirkung als Kohle hat. Bis 2030 plant der Konzern, 100 TWh aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen.
Das Verfahren geht in die Hauptverhandlung. Es wird zur Nagelprobe für TotalEnergies und die rechtliche Einordnung strategischer Unternehmenskommunikation im Zeitalter der Klimatransformation.