Die deutsche Exportwirtschaft startet mit einer herben Enttäuschung ins neue Jahr. Im November sind die Ausfuhren so stark zurückgegangen wie seit rund 18 Monaten nicht mehr. Besonders die Nachfrage aus den USA und aus Europa schwächelt deutlich – eine Entwicklung, die Ökonomen überrascht und die Sorgen um die Konjunktur weiter verstärkt.
Nach Angaben des Statistisches Bundesamt sanken die deutschen Exporte im November gegenüber dem Vormonat um 2,5 Prozent auf 128,1 Milliarden Euro. Damit verzeichnete der Außenhandel den stärksten Monatsrückgang seit Mai 2024.
Der Einbruch kam für viele Beobachter überraschend. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einer Stagnation gerechnet. Zuvor hatten die Ausfuhren im Oktober noch leicht zugelegt, nachdem sie im September spürbar gewachsen waren.
Hauptursache für den Rückgang war die schwächere Nachfrage aus den wichtigsten Absatzmärkten. Zwar gingen die meisten deutschen Waren auch im November wieder in die USA, doch das Volumen sank deutlich. Mit Ausfuhren im Wert von 10,8 Milliarden Euro lagen die Exporte in die Vereinigten Staaten um 4,2 Prozent unter dem Oktoberwert.
Belastend wirken dabei weiterhin die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle, die deutsche Produkte auf dem US-Markt verteuern. Auch innerhalb Europas ließ die Nachfrage spürbar nach. Die Exporte in die EU-Staaten gingen um 4,2 Prozent auf 73,1 Milliarden Euro zurück.
Ein Lichtblick bleibt das Geschäft mit China. Die Ausfuhren in die Volksrepublik stiegen im November um 3,4 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Damit entwickelte sich China als einer der wenigen großen Märkte positiv – allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau und bislang ohne Signal für eine nachhaltige Trendwende.
Während die Exporte einbrachen, legten die deutschen Importe zu. Im November wurden Waren im Wert von 115,1 Milliarden Euro eingeführt, ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Analysten hatten lediglich mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent gerechnet. Der stärkere Importanstieg verschlechtert zusätzlich die Außenhandelsbilanz.
Für die kommenden Monate rechnen Branchenvertreter nicht mit einer raschen Besserung. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen, sieht keine echte Trendwende. Für 2026 erwartet er keine Rückkehr zur früheren Exportdynamik in den beiden wichtigsten Absatzmärkten USA und China.
Realistisch sei allenfalls eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Angesichts der schwachen Weltkonjunktur, anhaltender Handelshemmnisse und geopolitischer Unsicherheiten müssen sich deutsche Exporteure damit wohl auf eine verlängerte Durststrecke einstellen.




