Die KI-Stars treiben die Börsen von einem Hoch zum nächsten, viele Anleger wollen nur noch „all in“ in Aktien. Wer jetzt noch über Anleihen spricht, gilt schnell als altmodisch. Doch genau in dieser Phase erlebt ein scheinbar angestaubter Klassiker ein Comeback: das 60/40-Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen. Und das aus guten Gründen.
Die Bewertungen erinnern an das Jahr 2000: Das CAPE des S&P 500 liegt bei knapp 40, ähnlich wie vor dem Dotcom-Crash. Doch der Unterschied ist entscheidend:
Damals trieben Firmen ohne Geschäftsmodell den Markt. Heute investieren hochprofitable Tech-Konzerne hunderte Milliarden in KI-Infrastruktur – und steigern dabei ihre Cashflows.
Trotzdem beruhen viele Kursfantasien auf sehr optimistischen Annahmen. Der Hype ist groß, aber das System steht nicht auf so wackligen Beinen wie vor 25 Jahren.
Die wichtigste Lehre aus 2000 bis 2003: Markt-Timing ist praktisch unmöglich.
Alan Greenspans Warnung vor „irrational exuberance“ 1996 führte nicht zum Absturz – sondern zu vier der stärksten Börsenjahre überhaupt.
Teure Märkte können sehr lange steigen, und die letzten Prozentpunkte bringen oft den größten Teil des Gewinns. Wer zu früh aussteigt, verpasst enorm viel.
Ein 100-Prozent-Aktienportfolio bringt langfristig die höchste Rendite – aber nicht die beste Stabilität. Das 60/40-Portfolio zielt auf ein besseres Verhältnis von Risiko zu Ertrag.
Ein Beispiel:
Ein Anleger, der Ende 1999 mit 1 Mio. Euro in Rente ging und jährlich 4 Prozent entnahm, hätte mit einem MSCI-World-Portfolio sein Vermögen bis 2025 komplett aufgezehrt.
Das 60/40-Portfolio hätte hingegen noch rund 880.000 Euro.
Grund: Die Mischung federt Crashjahre ab und verhindert, dass in schlechten Phasen zu viel Substanz verkauft wird.
Wir befinden uns in einem Bullenmarkt mit sehr hohen Bewertungen. KI kann enorme Gewinne bringen, doch nicht jedes Geschäftsmodell wird tragen.
Empfehlenswert ist deshalb:
– Gewinne schrittweise sichern
– Sicherheitsanteil moderat erhöhen
– Kein radikales Markt-Timing, aber mehr Risikobewusstsein
Das 60/40-Portfolio ist nicht spektakulär. Aber es schützt in Phasen hoher Bewertungen, politischer Unsicherheit und technologischer Euphorie besser als reine Aktienstrategien.
Gerade jetzt – nach 16 Jahren fast ununterbrochenem Bullenmarkt – lohnt es sich, Stabilität nicht aus der Mode kommen zu lassen.




