CoreWeave sichert sich 2 Milliarden Dollar Fremdkapital – trotz Bonitätsrisiken übertrifft Investorennachfrage sämtliche Erwartungen deutlich.
Der US-amerikanische Betreiber von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz, CoreWeave, hat sich am Mittwoch 2 Milliarden US-Dollar über den Hochzinsmarkt gesichert. Die unbesicherten Anleihen mit einer Laufzeit bis 2030 wurden mit einem Kupon von 9,25 Prozent begeben – trotz eines B+-Ratings durch S&P Global, tief im Non-Investment-Grade-Bereich. Das Volumen lag damit 500 Millionen Dollar über der ursprünglichen Zielgröße.
Die Platzierung folgt auf einen durchwachsenen Börsengang im März, bei dem CoreWeave statt der geplanten 2,7 Milliarden Dollar nur 1,5 Milliarden erlösen konnte. Seitdem hat sich die Aktie erholt und notiert inzwischen über 160 Prozent über dem Ausgabepreis. Die Kapitalaufnahme per Anleihe gilt als strategische Zwischenfinanzierung zur Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten und zur Stärkung der Liquidität.
Nach Angaben aus Bankenkreisen belief sich das kumulierte Ordervolumen auf über 7 Milliarden Dollar. Die Nachfrage war so groß, dass CoreWeave seine Anleihebedingungen verbessern und auf Sicherheiten verzichten konnte – ein in diesem Segment eher seltenes Signal für Marktsentiment. Der Anstieg folgt auf eine Phase niedriger Emissionstätigkeit im Zuge der handelspolitischen Spannungen nach US-Präsident Trumps jüngsten Zollentscheidungen.
CoreWeave hat sich seit 2019 als Cloud-Infrastruktur-Spezialist für KI-Modelle positioniert. Ursprünglich als Krypto-Miner gestartet, profitiert das Unternehmen seither stark vom boomenden Bedarf nach Rechenleistung – nicht zuletzt durch Partnerschaften mit Nvidia (Lieferantenseite) und Microsoft (Kundenseite). Diese Abhängigkeiten sieht S&P Global ambivalent: kurzfristig vorteilhaft, mittelfristig jedoch risikobehaftet.
Parallel zur Anleihe prüft CoreWeave laut Investorenpräsentationen zusätzliche Kreditaufnahmen über bis zu 2,6 Milliarden Dollar. Die Mittel sollen in Ausbau und Diversifizierung fließen – eine strategische Reaktion auf die anhaltend hohe Nachfrage nach spezialisierter KI-Infrastruktur und die zunehmende Konzentration bei hyperscalernahen Geschäftsmodellen.
Dass CoreWeave mit hochverzinslichen, unbesicherten Bonds auf ein so robustes Investoreninteresse stößt, wertet der Markt als Indiz für gestiegene Risikobereitschaft. „Die Flexibilität der US-Regierung in Handelsfragen hat die Risikostimmung merklich aufgehellt“, sagt Dec Mullarkey, Managing Director bei SLC Management. Der Kapitalmarktzugang scheint damit – zumindest vorerst – gesichert




