Bei der Hamburger Privatbank Berenberg spitzt sich der interne Umbruch weiter zu. Nach dem Abgang von Klaus Naeve aus der erweiterten Geschäftsleitung verdichten sich die Hinweise auf einen deutlich umfangreicheren Stellenabbau. Branchenkreise sprechen von Einschnitten in mehreren Bereichen – und von einem Umbau, der noch nicht abgeschlossen sein dürfte.
Die Trennung von Klaus Naeve Anfang Dezember markierte offenbar keinen isolierten Personalentscheid, sondern den Beginn einer umfassenderen Neuordnung. Recherchen aus dem Bankenumfeld zufolge kommt es bei Berenberg aktuell zu personellen Kürzungen in verschiedenen Markteinheiten. Betroffen sein sollen unter anderem der Wholesale-Bereich, das Kooperationsgeschäft sowie Teile des internationalen Vertriebs, darunter Standorte wie Zürich, Paris, Genf und London. Auch im Marketing seien Teams verkleinert worden.
Offiziell spricht das Institut von einer organisatorischen Straffung mit dem Ziel höherer Effizienz, klarerer Verantwortlichkeiten und besserer Verzahnung einzelner Bereiche. Konkrete Angaben zu Personalzahlen macht die Bank jedoch nicht.
Nach übereinstimmenden, bislang nicht bestätigten Informationen aus Branchenkreisen sollen auch das Asset- und Wealth Management sowie Funktionen wie IT und Controlling von Veränderungen betroffen sein. In Summe ist von bis zu 20 Personalien die Rede. Ein Sprecher der Bank wollte entsprechende Berichte weder bestätigen noch dementieren.
Das zurückhaltende Kommunikationsverhalten trifft auf einen Markt, der ohnehin sensibel auf die jüngsten Entwicklungen reagiert. Bereits in den vergangenen Monaten hatte Berenberg mit abrupten strukturellen Entscheidungen für Irritationen gesorgt, darunter das schnelle Aus für ein neu geschaffenes Chief Investment Office und der Weggang zentraler Investmentverantwortlicher.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erregte zuletzt die zügige Beförderung eines vergleichsweise jungen Managers zum Leiter eines neu zugeschnittenen Großbereichs. In der Branche wurde dies als weiteres Zeichen für einen grundlegenden Strategiewechsel gewertet. Intern wird laut Marktteilnehmern darüber spekuliert, dass die aktuellen Einschnitte lediglich der Auftakt für weitere personelle Anpassungen im kommenden Jahr sein könnten.
Im Zentrum der Restrukturierung steht offenbar das Asset Management. Mit der Zusammenführung von Wealth-, Asset- und Corporate-Management entsteht nicht nur eine neue organisatorische Einheit, sondern auch ein verändertes Geschäftsmodell. Künftig könnten Mandate für vermögende Privatkunden und Multi-Asset-Fonds stärker zentralisiert gesteuert werden. Das senkt Komplexität, reduziert aber zugleich den Bedarf an klassischen Portfolio-Managern.
Der wirtschaftliche Druck in diesem Bereich ist erheblich. Das Volumen der Publikumsfonds ist innerhalb von drei Jahren von 7,2 auf 3,2 Milliarden Euro geschrumpft – ein Rückgang von rund 55 Prozent. Besonders stark betroffen sind frühere Kernstrategien im europäischen Growth- und Small-Cap-Segment, deren Volumina teils massiv eingebrochen sind.
Dass Berenberg auf diese Entwicklung reagiert, gilt in der Branche als nachvollziehbar. Kritisch gesehen wird jedoch die Geschwindigkeit und Konsequenz der Maßnahmen. Der Umbau erfolgt in kurzen Abständen, strukturelle Eingriffe folgen rasch aufeinander. Für eine Bank, die ihr Markenbild zuletzt stark auf aktives Qualitätsmanagement ausgerichtet und mit einem aufwendigen Relaunch unterlegt hatte, bedeutet der Verlust erfahrener Vertriebs- und Marktteams ein nicht unerhebliches Risiko.
Denn gerade im Asset Management sind Vertriebseinheiten weit mehr als reine Kostenfaktoren. Sie fungieren als zentrale Schnittstelle zu institutionellen und privaten Investoren – und sind entscheidend dafür, ob Produkte am Markt überhaupt wahrgenommen werden. Wie nachhaltig der aktuelle Kurswechsel für Berenberg sein wird, dürfte sich daher erst in den kommenden Quartalen zeigen.




