Die Rettung des hoch verschuldeten Agrar- und Handelskonzerns BayWa hängt maßgeblich an der Erneuerbaren-Tochter BayWa r.e. Doch ausgerechnet deren wichtigster Wachstumsmarkt – die USA – wird durch die energiepolitische Kehrtwende von Präsident Donald Trump zunehmend zum Problem.
Ende 2024 einigte sich die BayWa AG mit Banken und Großaktionären auf ein umfassendes Rettungspaket: frisches Eigenkapital, verlängerte Kredite, ein harter Sparkurs und der Verkauf von Beteiligungen sollten den Konzern bis 2027 stabilisieren. Der Erfolg dieses Plans hängt jedoch an einem entscheidenden Faktor – der Entwicklung der Tochter BayWa r.e.
Das Unternehmen baut, betreibt und handelt mit Wind- und Solarparks und steuerte zuletzt rund 20 Prozent zum Konzernumsatz bei. Noch wichtiger: Ein erheblicher Teil des Vermögens und der internen Finanzierungen der BayWa AG steckt in dieser Tochter. Gerät BayWa r.e. ins Straucheln, gerät das gesamte Sanierungskonzept ins Wanken.
BayWa r.e. wurde 2011 gegründet und wuchs lange rasant – zunächst als Projektentwickler, später auch als Betreiber eigener Wind- und Solarparks (Independent Power Producer). Dieses Geschäftsmodell ist kapitalintensiv und stark fremdfinanziert. Als die Zinsen ab 2022 deutlich stiegen, verschlechterten sich die Bewertungsmodelle schlagartig: Höhere Renditeanforderungen machten viele Projekte weniger wertvoll, Käufer zögerten, Verkäufe mussten mit Abschlägen erfolgen.
Die Folge: massive außerplanmäßige Abschreibungen, eine angespannte Liquidität und zunehmender Verkaufsdruck auf das Projektportfolio. Bereits 2024 mussten fast 370 Millionen Euro wertberichtigt werden.
Hinzu kommt nun ein externer Schock: die Energiepolitik der neuen Trump-Regierung. Mit der im Juli 2025 verabschiedeten „One Big Beautiful Bill“ wurden Steueranreize für Wind- und Solarenergie schneller zurückgefahren, während fossile Energien und Kernkraft wieder stärker gefördert werden. Teilweise wurden Projekte sogar vorübergehend gestoppt.
Für BayWa r.e. ist das besonders heikel. Die USA waren zuletzt der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt: 2024 verkaufte die Tochter dort Projekte mit über 530 Megawatt Leistung – fast so viel wie in Großbritannien und Spanien zusammen. Werden Förderbedingungen verschlechtert und Genehmigungen verzögert, sinken die Projektwerte und die Verkaufserlöse.
Der BayWa-Konzern hat deshalb bereits seine Ergebnisprognose zurückgezogen. Projekte im Vorratsvermögen müssten neu bewertet werden – ein klares Warnsignal.
Dass der Markt die Risiken ernst nimmt, zeigen die Reaktionen der Konkurrenz. Der dänische Windkraftkonzern Ørsted und der norwegische Energieriese Equinor haben in den USA bereits Milliarden abgeschrieben. Auch Ölkonzerne wie BP und Shell ziehen sich teilweise aus dem Erneuerbaren-Geschäft zurück und melden hohe Wertminderungen.
Vor diesem Hintergrund erscheint es kaum realistisch, dass BayWa r.e. von ähnlichen Abschreibungen verschont bleibt. Sinkende Projektwerte würden nicht nur das Ergebnis belasten, sondern auch die Eigenkapitalquote schwächen – mit potenziellen Folgen für Kreditauflagen und die gesamte Finanzierung des Konzerns.
Der Sanierungsplan der BayWa beruht darauf, Vermögenswerte zu veräußern, Schulden zu bedienen und Vertrauen der Banken zu erhalten. Wenn ausgerechnet die wichtigste Tochtergesellschaft weiter an Wert verliert oder Projekte nur mit hohen Abschlägen verkaufen kann, drohen:
Die Energiepolitik der USA wirkt damit wie ein externer Stresstest für die gesamte BayWa-Rettung. Was als geopolitische Weichenstellung beginnt, könnte sich für den Münchner Konzern als betriebswirtschaftliches Kernrisiko erweisen. Ob der Sanierungsplan bis 2027 trägt, entscheidet sich damit nicht nur in den Vorstandsetagen und Bankenrunden – sondern auch im Weißen Haus.



