Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im laufenden Jahr deutlich gestiegen und hat ein Niveau erreicht, das zuletzt vor mehr als zehn Jahren beobachtet wurde. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts wurden in den ersten drei Quartalen 2025 insgesamt 18.125 Unternehmensinsolvenzen beantragt. Das entspricht einem Anstieg von 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Bemerkenswert ist, dass das Gesamtvolumen der Forderungen aus den gemeldeten Insolvenzen trotz der höheren Fallzahlen rückläufig ist. Die Amtsgerichte bezifferten die Forderungen der Gläubiger bislang auf rund 40,1 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag dieser Wert noch bei 45,6 Milliarden Euro.
Nach Einschätzung der Statistiker ist dieser Rückgang darauf zurückzuführen, dass im Vorjahr überdurchschnittlich viele wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz angemeldet hatten. Die aktuelle Insolvenzwelle betrifft demnach häufiger kleinere und mittlere Betriebe.
Die Insolvenzdichte variiert stark zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen. Bezogen auf jeweils 10.000 Unternehmen verzeichnete der Sektor Verkehr und Lagerei mit 98,0 Insolvenzen die höchste Quote. Es folgten das Gastgewerbe mit 79,7 sowie das Baugewerbe mit 79,4 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen.
Diese Branchen gelten bereits seit längerem als besonders anfällig, da sie unter hohen Kosten, schwacher Nachfrage und strukturellen Anpassungsprozessen leiden.
Auch die kurzfristigen Indikatoren liefern keine Entspannungssignale. Im November 2025 stieg die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,7 Prozent. Dieser sogenannte Schnellindikator basiert auf Veröffentlichungen der Plattform Insolvenzbekanntmachungen.de und gilt als Frühwarnsignal für die amtliche Statistik, die zeitverzögert veröffentlicht wird.
Experten rechnen daher damit, dass die Insolvenzzahlen in den kommenden Monaten weiter zulegen könnten.
Nach Einschätzung von Creditreform stehen viele Unternehmen unter erheblichem finanziellen Druck. Hohe Verschuldung, erschwerter Zugang zu Krediten sowie strukturelle Belastungen durch Energiepreise, Regulierung und anhaltende Nachfrageschwäche belasten vor allem kleine und mittlere Betriebe.
Diese Kombination führe dazu, dass selbst wirtschaftlich grundsätzlich tragfähige Unternehmen zunehmend in Liquiditätsprobleme geraten.
Parallel zur Entwicklung bei den Unternehmen nahm auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen zu. In den ersten drei Quartalen 2025 wurden 57.824 Verbraucherinsolvenzen gemeldet – ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Der deutliche Anstieg der Unternehmensinsolvenzen unterstreicht die anhaltenden strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft. Während das Forderungsvolumen bislang noch nicht auf eine systemische Krise hindeutet, zeigt die Breite der betroffenen Branchen, dass sich die wirtschaftliche Schwäche zunehmend verfestigt. Für Kapitalmärkte, Banken und Investoren bleibt das Insolvenzgeschehen damit ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung im Jahr 2026.




