Ölpreise stabilisieren sich nach Waffenruhe leicht – Markt schaut auf OPEC+ und Trumps drohende Zollschwelle.
Nach dem stärksten Zweitagesrückgang seit 2022 haben sich die Ölpreise am Mittwoch leicht gefangen. Brent Crude legte rund 1 % zu und notierte wieder nahe 68 US-Dollar je Barrel, West Texas Intermediate kletterte über die Marke von 65 Dollar. Auslöser für die vorsichtige Gegenbewegung waren sowohl ein Rückgang der US-Rohöllagerbestände als auch ein erster Stabilisierungsversuch nach der Waffenruhe zwischen Israel und Iran.
Die jüngste Entspannung im Nahen Osten, vermittelt durch US-Präsident Donald Trump, hatte die Lieferängste zunächst gedämpft – nachdem der Konflikt zuvor für einen kurzfristigen Preissprung gesorgt hatte. In einem überraschenden Schritt hatte Trump China, dem wichtigsten Abnehmer iranischen Rohöls, vorübergehend erlaubt, weiter Öl aus Teheran zu beziehen. Zwar relativierte das Weiße Haus später, dass die Iran-Sanktionen weiterhin gelten sollen, doch am Markt wurde die Botschaft als faktische Lockerung wahrgenommen.
Gleichzeitig rückte wieder die Angebotslage in den USA in den Fokus: Laut einer Schätzung des American Petroleum Institute sanken die US-Rohölvorräte in der vergangenen Woche um rund 4,3 Millionen Barrel. Bereits in der Woche zuvor war ein Rückgang von über 11 Millionen Barrel gemeldet worden – ein Zeichen, dass der physische Markt trotz geopolitischer Turbulenzen eher auf der knappen Seite bleibt.
Die kurzfristige Erholung wird jedoch von strukturellen Schwächesignalen begleitet. So rutschte der sogenannte Brent-Dezember-Dezember-Spread erneut in den Contango – eine Konstellation, bei der spätere Liefertermine teurer sind als nahegelegene, was tendenziell auf Überangebot hinweist.
Marktteilnehmer richten ihren Blick nun auf zwei entscheidende Termine: Am 6. Juli berät das OPEC+-Konsortium in einer Videokonferenz über eine mögliche Ausweitung der Fördermengen ab August. Drei Tage später endet die von Trump gesetzte Frist für neue Handelsabkommen – andernfalls treten Strafzölle in Kraft, die als „Liberation Day Tariffs“ bezeichnet werden.
„Nach dem Absturz war eine technische Gegenbewegung zu erwarten“, sagt Vandana Hari von Vanda Insights. „Aber das Augenmerk wird sich schnell wieder auf Wirtschaftsdaten, US-Handelsverhandlungen und das OPEC+ Treffen richten.“




