Neue US-Zölle bedrohen Wachstum der Eurozone
- Neue US-Zölle könnten die Eurozone in eine Rezession stürzen.
- Die EZB steht unter Druck, weitere geldpolitische Lockerungen zu erwägen.
Die USA haben neue Zölle auf europäische Waren angekündigt, die die Eurozone in eine Rezession stürzen könnten. Diese 20-Prozent-Zölle treffen die europäische Exportwirtschaft in einer Phase struktureller Schwäche.
Die Eurozone konnte sich bisher auf eine solide Auslandsnachfrage stützen, insbesondere aus den USA. Doch diese Unterstützung wackelt nun. Laut Moody’s-Ökonom Gaurav Ganguly könnte der psychologische Effekt der Zölle gravierender sein als der direkte Rückgang der Exporte.
Einige Branchen, wie die Pharmabranche, sind von den neuen Abgaben ausgenommen. Dennoch könnten die Zölle das Eurozonen-Wachstum um 0,3 Prozentpunkte im ersten Jahr senken. Ein längerer Abschwung ist möglich, aber nicht wahrscheinlich.
Das Vertrauen in die globale Wirtschaftsordnung steht auf dem Spiel. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte vor einem „umgekehrten Weltbild“, in dem alte Institutionen an Bindungskraft verlieren. Die strukturelle Unsicherheit ist ebenso bedrohlich wie die Zölle selbst.
Die Wirtschaftsprognosen der EZB, die ein BIP-Wachstum von 0,9 % für 2025 vorhersagen, sind gefährdet. Analysten von HSBC erwarten, dass ein 10-Prozent-Zoll die Wachstumsrate um ein Drittelprozent drücken könnte.
Deutschland hat erste Gegenmaßnahmen eingeleitet, indem es stärker in Infrastruktur und Verteidigung investiert. Diese Maßnahmen sollen die Inlandsnachfrage stützen, kommen aber spät, da die Zölle bereits zum Monatsende greifen.
Der Druck auf die EZB könnte zunehmen. Das Protokoll der Ratssitzung vom März zeigt, dass einige Mitglieder eine Unterbrechung der Zinssenkungsserie in Betracht zogen. Die neuen Zölle könnten jedoch weitere Lockerungsschritte erforderlich machen.