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Kryptowährungen erobern die US-Politik: Trump als neuer Bitcoin-Befürworter

Quelle: eulerpool

Ein Millionen-Dollar-Spielzug: Wie Kryptowährungen sich ins Zentrum der US-Politik manövrieren und Trump plötzlich zum Bitcoin-Fan wird

Bitcoin hat Washington im Sturm erobert – und das mit einer beeindruckenden Finanzkraft und strategischen Planung, die niemand kommen sah. Am Wahlabend, dem 5. November, versammelten sich Bitcoin-Enthusiasten, MAGA-Anhänger und Neugierige in einer kleinen Bitcoin-Bar namens PubKey in New Yorks Greenwich Village, um die Wahlergebnisse zu verfolgen. Auf einem digitalen Display an der Wand flimmerte der Bitcoin-Kurs, der über die Marke von 73.000 Dollar kletterte, während sich die Zeichen für einen Wahlsieg von Donald Trump verdichteten. Die Stimmung? Elektrisierend – ein surrealer Moment, der aus einem Drehbuch für das Internetzeitalter hätte stammen können.

Ein besonderer Anblick bot sich gegen 22:30 Uhr: Ein Organisator einer Bitcoin-Meetup-Gruppe rief laut aus, dass die Siegeschancen für Trump auf der Krypto-Wettplattform Polymarket inzwischen bei 88 % lagen. „Bitcoin steigt, Alter! Kauf jetzt, bevor er die Millionenmarke erreicht!“ brüllte er in die Menge. Eine solche Szene wäre vor nur einem Jahr undenkbar gewesen, als die Branche nach einem schweren Crash und dem Gerichtsverfahren gegen Krypto-Legende Sam Bankman-Fried am Boden lag.

Doch dann kam Brian Armstrong ins Spiel, der milliardenschwere Gründer von Coinbase Global Inc., mit einem kühnen Plan. Im September 2023 stellte Armstrong auf der Mainnet-Konferenz in New York seine Strategie vor, die US-Politik für die Kryptowelt zu gewinnen. Sein Plan war simpel, aber genial: Geld. Die Kryptoindustrie müsse ihren Einfluss durch massive Spenden erhöhen, sagte Armstrong, um einen wahren politischen Spieler zu werden. Mindestens 50 Millionen Dollar jährlich müssten fließen, um auf Augenhöhe mit Wall Street und der Ölindustrie zu sein. „Geld bewegt die Dinge“, stellte Armstrong klar und erklärte, dass seine Firma zukünftig an das Political Action Committee „Fairshake“ spenden würde.

Dieser Appell zur Großzügigkeit wirkte Wunder: Bei den Wahlen 2024 hatten Krypto-Unternehmen über 200 Millionen Dollar gesammelt, die sie durch Fairshake und andere Gruppen an politische Kandidaten verteilten. Auch prominente Krypto-Mogule wie die Winklevoss-Zwillinge und Kraken-Gründer Jesse Powell legten nach und unterstützten Trump mit mindestens 25 Millionen Dollar. Und Trump? Er schwenkte auf einmal zur Krypto-Seite. In einer Rede auf einer Bitcoin-Konferenz in Nashville versprach er, die USA zum „Krypto-Zentrum der Welt“ zu machen und einen strategischen Bitcoin-Vorrat anzulegen.

Der krönende Höhepunkt? Trump erklärte, dass er den SEC-Vorsitzenden Gary Gensler entlassen und durch jemanden ersetzen werde, der der Kryptowelt wohlgesonnener ist. „Wenn Bitcoin zum Mond geht, dann will ich, dass Amerika die Nation ist, die den Weg anführt,“ verkündete Trump unter Jubel.

Dass eine Branche, die einst als Gegenbewegung zur staatlichen Kontrolle galt, jetzt ihr Schicksal an Politiker knüpft, mag ironisch erscheinen. Doch die Realität ist, dass Bitcoin und Co. inzwischen weniger rebellische Visionen verkörpern als vielmehr riesige „Krypto-Casinos“. Hier geht es nicht mehr um die Freiheit von Währungen, sondern um den Handel und die Spekulation auf erfundene Münzen, deren Werte wild schwanken – ein Geschäft, das Milliarden einbringt. Für die SEC, die die Branche kontrollieren will, gleicht dies dem Versuch, illegale Wettspiele zu regulieren.

Fairshake, die Interessenvertretung der Branche, hatte zudem strategisch den Republikaner Bernie Moreno unterstützt, der gegen den demokratischen Senator Sherrod Brown aus Ohio antrat. Brown, ein Krypto-Skeptiker, verlor und damit ging auch die Kontrolle des Senats an die Republikaner über. In den Tagen nach der Wahl erklärte Fairshake stolz, dass 47 der 56 von ihr unterstützten Kandidaten gewonnen hätten – eine schallende Ohrfeige für die Demokraten. Brancheninsider wie der Juraprofessor Rohan Grey warnen bereits, dass die enormen Ausgaben der Kryptoindustrie für diese Wahl die Demokraten abschrecken und ihnen signalisieren werden, den Kampf nicht zu suchen.

Für die Krypto-Welt ist das Rennen um den politischen Einfluss damit eröffnet. Bei der Wahlparty im PubKey war die Euphorie spürbar: „Es wird wie das Wettrennen ins All – andere Länder werden versuchen, so viel wie möglich zu kaufen“, schwärmte ein Gast mit leuchtenden Augen.