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Europas Sicherheitsdilemma: Strategische Autonomie oder Abhängigkeit?

  • Europa ist militärisch nicht eigenständig handlungsfähig und abhängig von den USA.
  • Strategische Autonomie erfordert langfristige Investitionen und politische Entschlossenheit.

Europa strebt seit Jahren nach strategischer Autonomie, doch die Realität zeigt: Der Kontinent ist nicht in der Lage, sich selbst zu verteidigen. Laut Jana Puglierin vom European Council on Foreign Relations wird es mindestens fünf Jahre dauern, um in zentralen militärischen Bereichen eigenständig handlungsfähig zu werden.

Besonders komplexe Felder wie Aufklärung und Satellitentechnologie könnten sogar ein Jahrzehnt oder länger benötigen. Europa fehlt es an integrierten Luftverteidigungssystemen, strategischem Lufttransport und umfassenden Aufklärungskapazitäten, die bisher von den USA bereitgestellt werden.

Die politische Lage in Washington verschärft die Situation. Das bisherige NATO-Modell, in dem europäische Staaten den USA als Schutzgaranten folgten, ist nicht mehr verlässlich. Jüngste Spannungen, wie die Entsendung von US-Flugzeugen nach Grönland, verdeutlichen das neue Machtgefüge.

Puglierin betont, dass Europa entweder lernen muss, sich selbst zu verteidigen, oder sich einer Schutzmacht unterordnen muss. Wirtschaftliche Stärke allein ersetzt keine militärische Handlungsfähigkeit, besonders in einer Welt zunehmender Machtkonkurrenz.

Die Debatte über eine europäische Atombombe sieht Puglierin skeptisch. Eine gemeinsame EU-Nuklearstreitmacht ist kein realistischer Ersatz für den US-Schutzschirm. Stattdessen sollten Frankreich und Großbritannien stärker in eine gesamteuropäische Abschreckungsarchitektur eingebunden werden.

Deutschland bleibt in einer Zwischenrolle: keine eigene Atommacht, aber Teil der nuklearen Abschreckung durch US-Atombomben. Dieses Arrangement steht zunehmend infrage. Europa hat jahrzehntelang vom amerikanischen Schutz profitiert, ohne eigene Fähigkeiten aufzubauen.

Strategische Autonomie ist ein langfristiges Projekt, teuer und politisch unbequem. Doch die Alternative wäre, sicherheitspolitisch Zuschauer zu bleiben. In einer Welt, die wenig Rücksicht auf Schwäche nimmt, ist das ein Risiko, das Europa sich kaum leisten kann.

Quelle: Eulerpool Research Systems