Nach OMV-Warnung über möglichen russischen Gaslieferstopp steigen europäische Gaspreise auf den höchsten Stand seit einem Jahr.
Die europäischen Gaspreise erreichten am Donnerstag den höchsten Stand seit einem Jahr, nachdem der österreichische Energiekonzern OMV vor einer möglichen Unterbrechung der Gaslieferungen aus Russland warnte. Der TTF-Future, europäischer Gas-Benchmark, legte am frühen Morgen in Amsterdam um bis zu 5 Prozent auf 46 Euro pro Megawattstunde zu, bevor er einen Teil der Gewinne wieder abgab.
OMV hatte am Mittwoch angekündigt, dass es nach einem Schiedsurteil über 230 Millionen Euro von Gazprom zugesprochen bekam und diese Summe umgehend gegen Rechnungen aus dem bestehenden Vertrag mit dem russischen Energiekonzern aufrechnen werde. Die Wiener OMV warnte jedoch, dass diese Entscheidung die Vertragsbeziehungen zu Gazprom belasten könnte und sogar zu einem "möglichen Lieferstopp" führen könnte. OMV hatte zuvor "unregelmäßige" Gaslieferungen von Gazprom nach Deutschland beklagt, bevor die Lieferungen im September 2022 vollständig eingestellt wurden.
Die europäischen Gasmärkte sind seit Beginn der russischen Lieferkürzungen im Jahr 2021, die im Vorfeld des Ukraine-Krieges stattfanden, besonders empfindlich gegenüber Versorgungsunterbrechungen. Analysten warnen, dass sich das durch die Ukraine fließende Volumen nahezu halbieren könnte, falls Gazprom wegen der OMV-Entscheidung die Lieferungen einstellt. Die nächste Zahlung der OMV an Gazprom, die laut Experten am 20. des Monats fällig ist, könnte mit einer Summe von rund 213 Millionen Euro ausfallen. Wenn OMV die Zahlung zurückhält, könnte Gazprom das Vertragsverhältnis unmittelbar abbrechen, warnte Tom Marzec-Manser, Leiter Gasanalytik beim Beratungsunternehmen ICIS.
Das Gastransitabkommen, das Österreich und die Slowakei derzeit über die Ukraine versorgt, endet am Jahresende und ist eine von nur zwei verbliebenen Routen, die russisches Gas nach Europa bringen. Die Strecke deckt etwa 5 Prozent der jährlichen Gasimporte der EU.
In Erwartung des bevorstehenden Endes des Transitabkommens kündigte der slowakische Energieversorger SPP an, einen kurzfristigen Pilotvertrag über die Lieferung von Erdgas mit dem aserbaidschanischen Energiekonzern Socar abgeschlossen zu haben. SPP betonte, dass die Fortführung des Transits durch die Ukraine die kostengünstigste Lösung für die Kunden sei, aufgrund des hohen Risikos eines Lieferstopps jedoch Maßnahmen zur Versorgungssicherheit getroffen würden.
OMV betonte, dass das Unternehmen dank der Diversifizierung der Bezugsquellen von russischem Gas in der Lage sei, bestehende Verträge zu erfüllen. Auch Österreichs Energieministerin Leonore Gewessler stellte auf der Plattform X klar, dass die Schritte von OMV keine unmittelbare Bedrohung für die Versorgungssicherheit darstellten. Sie warnte jedoch: „Eine plötzliche Unterbrechung der Lieferungen könnte Spannungen an den Gasmärkten auslösen.“




