
Bunzl Aktienanalyse: Dividendenaristokrat durch Lebensmittelverpackungen
Jedes Produkt ist heutzutage verpackt. Allerdings produziert nicht jedes Unternehmen seine eigenen Kartons und Plastikverpackungen. In der Regel werden Verpackungsmaterialien und auch andere Produkte, die für die Produktion kontinuierlich benötigt werden, zugeliefert. Bunzl ist solch ein Zulieferer. Das Unternehmen ist auch dafür zuständig, Lieferanten zu identifizieren und die Logistik hinter den Lieferungen quer durch die Welt organisieren. Dieses Geschäft ist extrem stabil und macht Bunzl so krisenresistent, wie kaum ein anderes Unternehmen. Für einen Dividendenaristokraten ist das umso attraktiver.
Bunzl Aktie und Aktienanalyse
- Hauptsitz
- London, GB
- Kurs
- 32,75 EUR
- Ausstehende Aktien
- 337,20 Mio.
- Marktkapitalisierung
- 9,06 Mrd. GBP
- EBIT-Marge
- 6,29 %
- FCF-Rendite
- 66,60 %
- Eigenkapitalrendite
- 17,44 %
- Datum
- 15.09.2023
Bunzl Aktienanalyse
Milliarden durch Distribution. In erster Linie ist Bunzl heute ein Konzern, welcher diverse Produkte, von Chemikalien über Maschinerie, bis hin zu Pappbesteck über sein Netzwerk global vertreibt. Dabei handelt es sich in der Regel um Basisprodukte, mit welchen Unternehmenskunden beliefert werden. Ein Unternehmen bestellt ein bestimmtes Produkt bei Bunzl und der Konzern kümmert sich darum, einen Hersteller zu finden und regelmäßige Lieferungen zu gewährleisten.
Dividendenaristokrat. Bunzl kann als sogenannter Dividendenaristokrat eingestuft werden, da der Konzern seit mehr als 30 Jahren Dividende auszahlt. Zudem erhöht der Konzern seine Ausschüttungen kontinuierlich. Dividendenaristokraten sind zunehmend selten, weisen jedoch in der Regel ein sehr stabiles und beständiges Geschäftsmodell auf. Das ist besonders für langfristige Investoren interessant.
Unterbewertung nach Eulerpool Fair Value.Die Bunzl Aktie handelt historisch betrachtet sehr nah an ihrem Fair Wert. Eine Unterbewertung von mehr als 5 %, wie sie aktuell vorliegt, ist in den letzten 10 Jahren nur zweimal aufgetreten, 2018 und zu Beginn der Pandemie. Das deutet auf eine aktuell günstige Einstiegschance hin.
Schwache Kursentwicklung.Über die letzten zehn Jahre hat sich die Bunzl Aktie nur verdoppelt. Die Rendite liegt damit sogar unter der, breit gestreuter Indexfonds. Auch mit Blick auf den Total Return schneidet die Aktie schlechter ab. Wir prüfen in dieser Analyse, ob sich trotzdem eine interessante Investitionschance ergibt.
In den letzten 10 Jahren hat die Bunzl Aktie nur 108 % Kursgewinn erreicht. Damit performte die Aktie schlechter als der S&P 500.

Bunzl wächst eher sprunghaft. Auch wenn der Konzern insgesamt nur niedriges bis mittleres einstelliges Wachstum erlebt, konnte in manchen Jahren ein Umsatzzuwachs von mehr als 10 % verzeichnet werden.
1Geschäftsmodell
Nach Eulerpool Fair Value ist Bunzl aktuell leicht unterbewertet. Das stellt ein positives Kaufsignal dar, da die Aktie stets nah am fairen Wert handelt.
1.1Unternehmensgeschichte: Neu erfunden
- 1854Bunzl ist ein Familienunternehmen. Moritz Bunzl gründet 1854 den ersten Vorläufer des heutigen Konzerns in Bratislava in der heutigen Slowakei. Er macht einen Kurzwarenladen auf, welcher durch die Familie betrieben wird. Seine drei Söhne verschieben das Hauptquartier drei Jahrzehnte später nach Wien und beginnen mit Produktion und Vertrieb von Papierprodukten.
- 1938Flucht vor dem Nationalsozialismus. Ein Großteil der Familie flieht vor Kriegsbeginn nach England und eröffnet in London ein neues Papierproduktionsunternehmen. Tissue Papers Limited wird 1940 gegründet und ist rechtlich die Grundlage des heutigen Konzerns. Das Unternehmen produziert zunächst Crepê-Papier und beginnt nach Kriegsende stark zu wachsen.
- 1950erInternationale Expansion. Neue Werke werden unter anderem in Südafrika eröffnet. Ein weiteres in den USA folgt nur vier Jahre später. 1957 listet Bunzl schließlich an der London Stock Exchange. Zigarettenfilter bilden zu dieser Zeit das Kernprodukt. In diesem Markt hält Bunzl sogar ein Monopol, welches untersucht wird durch Kartellbehörden. Ergebnis ist, dass Bunzl diese Position nicht missbraucht hat und weiter operieren darf. Man entschließt sich trotzdem, weiter zu diversifizieren.
- 1980erNeuerfindung. Bunzl möchte sich neu orientieren, da Gewinn- und Umsatzwachstum stagnieren. Ein neuer CEO wird eingesetzt. Die Produktionsstätten in Österreich, welche erst ein Jahrzehnt zuvor wieder in das Unternehmen integriert worden sind, werden abgestoßen. Der Konzern beginnt langsam, sich vom Papiergeschäft zu entfernen. Parallel steigt man durch eine Reihe von Übernahmen in den Distributionsmarkt ein.
- 2002Letzter Verkauf. Das letzte Segment im Bereich der Papierproduktion wird verkauft. Die Distributionsdienstleistungen und die Tochter Filtrona bleiben die einzigen Geschäftszweige. Filtrona, Hersteller von Zigarettenfiltern und verschiedenem Plastik, wird drei Jahre später jedoch auch verkauft und Bunzl fokussiert sich vollkommen auf die "Outsourcing Services".
- 2010erDiverse Übernahmen. Bunzl übernimmt in Europa, Asien und Nord- sowie Südamerika eine Reihe von Verpackungsherstellern und anderen Distributoren. Der Konzern kann so sowohl eigene Produkte an seine Kunden vertreiben, als auch die Produkte Dritter.
- 2022Reinigung aus Deutschland. Bunzl verbreitert das Portfolio durch die Übernahme eines deutschen B2B-Onlineshops hygie.de, welcher sich auf Hygiene und Reinigung spezialisiert. Damit werden weitere Produkte dem eigenen Sortiment hinzugefügt.
- HeuteGlobales Netzwerk. Bunzl hat sich als ein Gigant im Bereich von Basisprodukte und deren Distribution an Unternehmenskunden etabliert. Das Netzwerk des Konzerns erstreckt sich über vier Kontinente und der Konzern beschäftigt über 22.000 Mitarbeiter.
1.2Mission
Our purpose is to deliver essential business solutions around the world and create long-term, sustainable value for the benefit of all our stakeholders.
Der Kunde im Fokus.Die Unternehmensmission von Bunzl konzentriert sich auf die Bereitstellung essenzieller Geschäftslösungen weltweit und die Schaffung langfristiger, nachhaltiger Werte zum Vorteil aller Stakeholder. Diese Mission spiegelt eine klare Ausrichtung auf Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit wider. Sie betont die globale Reichweite des Unternehmens und sein Engagement, nicht nur kurzfristige Gewinne zu erzielen, sondern auch langfristigen Wert für alle Beteiligten zu schaffen, einschließlich Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre.
Balance.Die Mission ist gut ausbalanciert, da sie sowohl die operative Exzellenz als auch die soziale Verantwortung des Unternehmens berücksichtigt. Sie bietet eine solide Grundlage für strategische Entscheidungen und kann als Leitfaden für die Unternehmenskultur dienen. Allerdings könnte sie von einer stärkeren Spezifizierung profitieren, um sich von generischen Missionen abzuheben.
1.3Management: Frank van Zanten ist seit 2016 CEO von Bunzl

Van Zanten kam durch eine Übernahme zu Bunzl.Vor Bunzl war er bei HOPA, seinem Familienbetrieb in Rotterdam beschäftigt. Das niederländische Unternehmen wurde 1994 von Bunzl übernommen, im Rahmen von dessen Umstrukturierung. Er verließ Bunzl zwischenzeitlich, um bei PontMeyer, einem niederländischen Großhändler zu arbeiten. Er kehrte zu Bunzl 2005 als Managing Director für Kontinentaleuropa zurück. Er stieg innerhalb von 11 Jahren zum CEO auf.
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