
Eckert & Ziegler Aktienanalyse Update: Der Schaufelverkäufer des Radiopharma-Booms
5,5 Jahre nach unserer letzten Analyse ist Eckert & Ziegler der Picks-and-Shovels-Lieferant des Radiopharma-Booms: Lutetium-177-Umsätze verdreifacht, CDMO fast verdoppelt, Actinium-225 im Aufbau. Trotzdem bewertet die Börse den Konzern mit unter 10× EV/EBIT, während Nordic Capital für das vergleichbare BWXT-Medical-Geschäft 5 bis 8× EV/Sales zahlt. Wir erklären ehrlich, warum der Markt skeptisch ist, und warum die Aktie mit rund 12 % Renditeerwartung pro Jahr trotzdem ein (knappes) Kaufen bleibt.
Eckert & Ziegler Aktie und Aktienanalyse
- Hauptsitz
- Deutschland
- Sektor
- Gesundheitswesen
- Industrie
- Medizintechnik / Radiopharma
- Kurs
- 13,65 EUR
- Marktkapitalisierung
- 856 Mio. EUR
- Umsatz 2025
- 311 Mio. EUR
- Umsatzwachstum 2025
- +5,4 %
- Bruttomarge
- 47,8 %
- EBIT-Marge 2025
- 24,1 %
- KGVe
- 16,4
- KUVe
- 2,7
- Free Cash Flow 2025
- 34,4 Mio. EUR
- AAQS
- 9 von 10
- Dividendenrendite
- 1,6 %
- Datum
- 07.09.2026
Eckert & Ziegler Aktienanalyse
5,5 Jahre nach unserer Analyse ist die Radiopharma-These Realität geworden. Als wir Eckert & Ziegler im Januar 2021 analysierten, war die zielgerichtete Krebstherapie mit radioaktiven Isotopen ein Versprechen. Heute ist sie ein Boom: Die Umsätze mit dem Therapie-Isotop Lutetium-177 haben sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht, das Auftragsfertigungsgeschäft für Radiopharma-Entwickler hat sich fast verdoppelt. Die Berliner sitzen als Zulieferer genau in der Mitte dieser Wertschöpfungskette.
Picks and Shovels: verdienen, egal welches Medikament gewinnt. Eckert & Ziegler entwickelt keine eigenen Krebsmedikamente, sondern liefert Isotope, Generatoren und Auftragsfertigung an praktisch alle, die es tun. Vom Goldrausch der Radiopharmazie profitiert das Unternehmen wie ein Schaufelverkäufer: Ob am Ende Novartis, Bayer oder ein Biotech das beste Präparat hat, die Isotope kommen häufig aus Berlin. Mit Actinium-225 baut das Unternehmen gerade die Kapazitäten für die nächste Isotop-Generation auf.
Private Equity zahlt für vergleichbare Assets ein Vielfaches. Anfang August hat Nordic Capital das Medizingeschäft von BWX Technologies für bis zu 800 Mio. USD gekauft, bei rund 130 Mio. USD Umsatz. Das entspricht etwa 5 bis 8× EV/Sales. Eckert & Ziegler wird an der Börse insgesamt mit rund 2,4× EV/Sales und unter 10× EV/EBIT bewertet. Allein das Medical-Segment wäre zum unteren Ende des BWXT-Multiples mehr wert als der heutige Unternehmenswert des gesamten Konzerns.
Ehrlich gefragt: Warum ist der Markt so skeptisch? Ein 856-Mio.-EUR-Small-Cap ohne US-Listing fällt durch die Raster der großen Fonds. Die Lizenzeinnahmen schwanken stark und machen die Quartale schwer lesbar: 2026 gab es bislang keine, weshalb das bereinigte EBIT im ersten Halbjahr um 6 % sank. Und der Gewinn je Aktie wächst kurzfristig nur einstellig. Wer hier investiert, braucht Geduld und muss Kursschwankungen aushalten, die bei Small Caps dazugehören.
Renditeerwartung von rund 12 % pro Jahr: kaufenswert, aber knapp. Wir senken unsere Renditeerwartung von 15,9 auf 12,0 % pro Jahr: rund 7 % bereinigte Free-Cashflow-Rendite plus rund 5 % erwartetes Wachstum. Das liegt über unserer Kaufschwelle von 12 %, aber nicht mehr weit. Eckert & Ziegler ist ein Qualitätsunternehmen (AAQS 9 von 10) mit realer Unterbewertung, jedoch ohne kurzfristigen Gewinn-Katalysator. Ein knappes Kaufen, kein Tisch-Trommeln.
1Geschäftsmodell von Eckert & Ziegler im Kurzüberblick
Eckert & Ziegler Aktienanalyse: Die Aktie hat sich seit dem Hype von 2021 mehr als halbiert, während der Umsatz im selben Zeitraum um über 70 % gestiegen ist. Bewertung und Geschäftsentwicklung sind auseinandergelaufen.
Eckert & Ziegler aus Berlin ist mit über 1.000 Mitarbeitern einer der weltweit führenden Spezialisten für radioaktive Isotope in Medizin und Industrie. Die Aktie ist im TecDAX gelistet, die Marktkapitalisierung liegt bei rund 856 Mio. EUR.
Das Geschäft ruht auf zwei Segmenten:
Medical (rund 54 % des Umsatzes)
Das Wachstumssegment liefert pharmazeutische Radioisotope, Generatoren und Auftragsfertigung (CDMO) für die Radiopharma-Industrie. Hier sitzen die Boom-Produkte: Lutetium-177 für zielgerichtete Krebstherapien, Gallium-68-Generatoren für die Diagnostik und der Kapazitätsaufbau bei Actinium-225. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das bereinigte Segment-EBIT um rund 7 % auf 24,9 Mio. EUR.
Isotope Products (rund 46 % des Umsatzes)
Das Cashcow-Segment liefert Strahlenquellen für Industrie, Messtechnik und Wissenschaft, von der Füllstandsmessung bis zur Qualitätskontrolle. Es wächst kaum, ist aber hochprofitabel, krisenfest und finanziert den Ausbau des Medical-Geschäfts. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz mit 68,5 Mio. EUR auf Vorjahresniveau.

Der Burggraben liegt in der Regulierung: Wer radioaktive Isotope herstellen, verarbeiten und weltweit ausliefern will, braucht nukleare Genehmigungen, zertifizierte Reinräume, geschlossene Lieferketten für strahlendes Material und Jahrzehnte an Behörden-Vertrauen. Diese Hürden kann kein Start-up und kaum ein Konzern in weniger als einem Jahrzehnt nehmen. Genau deshalb kaufen Pharmakonzerne die Vorprodukte bei den wenigen etablierten Spezialisten ein.

2Was gibt es Neues?
2.1Halbjahreszahlen: Flacher Umsatz, wachsender Kern
Am 13. August hat Eckert & Ziegler die Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 vorgelegt. Der Umsatz lag mit 149,3 Mio. EUR auf Vorjahresniveau (148,8 Mio. EUR). Das bereinigte EBIT sank um knapp 6 % auf 33,3 Mio. EUR, der Nettogewinn stieg um rund 5 % auf 22,4 Mio. EUR oder 0,36 EUR je Aktie.
Diese Zahlen muss man richtig lesen. Im Vorjahr steckten außerordentliche Lizenzeinnahmen, 2026 bislang keine. Bereinigt um diesen Effekt wuchs der Umsatz um 4 % und das Ergebnis sogar um 9 %. Der eigentliche Kern des Geschäfts wächst also, verdeckt von einer schwankenden Lizenzposition.
Die Prognose steht: Der Vorstand bestätigt für 2026 einen Umsatz von rund 320 Mio. EUR und ein bereinigtes EBIT von rund 80 Mio. EUR. Gemessen an 33,3 Mio. EUR nach sechs Monaten impliziert das eine deutlich stärkere zweite Jahreshälfte, unter anderem durch anlaufende Lizenz- und CDMO-Beiträge.
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