Der taumelnde Luxusriese Burberry steht zur Übernahme bereit – doch potenzielle Käufer könnten sich schnell die Zähne ausbeißen. Sinkende Umsätze und ein umstrittener Strategiewechsel machen die Zahlen schwierig
Mit einem dramatischen Kursverlust von 50 Prozent im vergangenen Jahr und einer Marktkapitalisierung von nur noch 3 Milliarden Pfund hat Burberry, der ikonische britische Luxusmarkenhersteller, zunehmend den Anschein eines schmackhaften Übernahmeobjekts in einer Branche, die von Riesen dominiert wird. Dennoch könnte sich jeder Übernahmeversuch als schwieriges Unterfangen erweisen, wie die jüngsten Gerüchte um eine potenzielle Übernahme durch den italienischen Modekonzern Moncler zeigen. Denn das größte Hindernis für ein lukratives Geschäft ist weniger die Marke selbst als vielmehr die aktuellen, enttäuschenden Verkaufszahlen und der problematische Turnaround-Versuch.
Während sich Burberry ursprünglich auf „Markenaufwertung“ – sprich Preiserhöhungen – konzentrierte, um mit den Edel-Marken der obersten Luxusliga Schritt zu halten, blieben die Kundenzahlen auf der Strecke. Analysten erwarten, dass die Umsätze in diesem Jahr um nahezu 20 Prozent sinken werden, was die operativen Gewinne nahezu auslöscht. Dies hat die Marke in ein heikles finanzielles Fahrwasser geführt und das Unternehmen zu einem zweifelhaften Ziel für Übernahmeinteressenten gemacht.
„Die Marke hat nach wie vor großes Potenzial“, sagen Analysten, doch der Weg, auf dem Burberry derzeit versucht, sich neu zu definieren, scheint mehr Schaden als Nutzen zu bringen. Der neue Geschäftsführer Josh Schulman steht vor der Herausforderung, eine Strategie zu entwickeln, die den Umsatz wieder ankurbelt, ohne den Kern der Marke zu verwässern. Eine mögliche Lösung könnte in der Rückkehr zu den traditionellen Klassikern wie dem ikonischen Trenchcoat liegen und in einer Fokussierung auf bezahlbare, aber hochwertige Produkte.
Ein Preisrückgang bei Burberry-Produkten hat den durchschnittlichen Verkaufspreis seit Mitte 2024 bereits um 27 Prozent gesenkt, wie der Analyst Luca Solca von Bernstein berichtet. Diese Strategie erscheint sinnvoll, da hochpreisige Luxusmarken mittlerweile so hohe Preise aufrufen, dass im mittleren Segment eine ungenutzte Nachfrage bestehen könnte. Doch genau hier liegt das Problem: Während die Spitzenreiter der Luxuswelt hohe Bewertungen erzielen, werden Marken aus dem Mittelpreissegment wie Burberry oft mit einem Abschlag von 15-20 Prozent gehandelt. Der Wertverlust im Vergleich zu Giganten wie LVMH ist deutlich und erschwert eine Übernahme zusätzlich.
Die Rechenbeispiele für eine Übernahme durch einen strategischen Käufer oder Finanzinvestoren zeigen, wie schwierig es wäre, einen Kaufpreis von geschätzten 5 Milliarden Pfund, inklusive Übernahmeprämie und Verbindlichkeiten, zu rechtfertigen. Selbst wenn das Unternehmen bis 2030 jährliche Wachstumsraten von 10 Prozent erreicht und die Ebitda-Marge in den hohen Zehnerbereich steigt, würde Burberry zu einem „bezahlbaren Luxus-Multiplikator“ vielleicht 7 Milliarden Pfund wert sein. Das wäre ein Zugewinn von 40 Prozent in fünf Jahren, doch die damit verbundenen Annahmen erscheinen angesichts der aktuellen Herausforderungen im Luxussegment sehr optimistisch.
Für einen strategischen Käufer könnten Kostensenkungen durch die Verschmelzung von Lieferketten oder eine Optimierung des Filialnetzes einen Vorteil bringen. Doch das Potenzial, hierdurch einen signifikanten Vorteil zu erzielen, bleibt begrenzt. Auch Private-Equity-Investoren könnten versuchen, Burberry durch Schuldenaufnahme zu „sanieren“ und Renditen zu steigern. Doch angesichts der aktuellen finanziellen und strategischen Herausforderungen wären auch solche Versuche riskant.
Kurzum, Burberry mag aktuell wie ein verlockender Übernahmekandidat erscheinen, aber wer auch immer die Herausforderung annimmt, sollte sich auf ein schwieriges Unterfangen gefasst machen.




