Claude 3.5 Sonnet: Anthropics neuestes Modell soll das intelligenteste, schnellste und sympathischste bisher sein.
Der Wettlauf um die beste Künstliche Intelligenz geht weiter: Anthropic bringt sein neuestes Modell, Claude 3.5 Sonnet, auf den Markt, das nach eigenen Angaben OpenAIs GPT-4 und Googles Gemini in vielen Aufgaben gleichwertig oder überlegen ist. Das neue Modell ist bereits für Claude-Nutzer im Web und auf iOS verfügbar und wird auch Entwicklern zur Verfügung gestellt.
Claude 3.5 Sonnet soll letztlich das mittlere Modell in der Reihe sein – Anthropic verwendet den Namen Haiku für das kleinste Modell, Sonnet für die Mittelklasse und Opus für das High-End-Modell. Laut dem Unternehmen übertrifft 3.5 Sonnet das bisherige 3 Opus deutlich, und Benchmarks zeigen, dass es dies mit einer beträchtlichen Marge tut. Darüber hinaus soll das neue Modell doppelt so schnell sein wie das vorherige, was einen bedeutenden Vorteil darstellt.
Benchmarks für KI-Modelle sollten immer mit Vorsicht betrachtet werden, da sie schnell veraltet sind und leicht so ausgewählt werden können, dass sie das gewünschte Ergebnis zeigen. Dennoch scheint Claude 3.5 Sonnet beeindruckend zu sein: Es übertraf GPT-4, Gemini 1.5 Pro und Metas Llama 3 400B in sieben von neun allgemeinen Benchmarks und vier von fünf Vision-Benchmarks. Dies deutet darauf hin, dass Anthropic einen legitimen Konkurrenten in diesem Bereich entwickelt hat.
Was bedeutet das konkret? Anthropic sagt, dass Claude 3.5 Sonnet wesentlich besser im Schreiben und Übersetzen von Code, im Umgang mit mehrstufigen Arbeitsabläufen, beim Interpretieren von Diagrammen und Grafiken sowie beim Transkribieren von Texten aus Bildern ist. Das neue Claude versteht auch Humor besser und kann auf eine viel menschlichere Weise schreiben.
Zusätzlich zum neuen Modell führt Anthropic eine neue Funktion namens Artifacts ein. Mit Artifacts können Nutzer die Ergebnisse ihrer Claude-Anfragen sehen und interaktiv bearbeiten: Wenn das Modell beispielsweise etwas für den Nutzer entwirft, kann es nun zeigen, wie es aussieht, und der Nutzer kann es direkt in der App bearbeiten. Diese kleine, aber clevere Funktion ermöglicht es, dass diese KI-Tools mehr als nur einfache Chatbots sind.
Artifacts signalisiert auch die langfristige Vision für Claude. Anthropic hat lange betont, dass der Fokus hauptsächlich auf Unternehmen liegt, obwohl auch Konsumtechniker wie Instagram-Mitbegründer Mike Krieger eingestellt wurden. In der Pressemitteilung zur Einführung von Claude 3.5 Sonnet sagte Anthropic, dass Claude zu einem Werkzeug für Unternehmen werden soll, um „ihr Wissen, ihre Dokumente und ihre laufenden Arbeiten sicher an einem gemeinsamen Ort zu zentralisieren“. Das klingt eher nach Notion oder Slack als nach ChatGPT, wobei die Modelle von Anthropic das Zentrum des gesamten Systems bilden.
Derzeit ist jedoch das neue Modell die große Nachricht. Die Geschwindigkeit der Verbesserungen ist beeindruckend: Anthropic brachte Claude 3 Opus im März auf den Markt und erklärte stolz, dass es so gut wie GPT-4 und Gemini 1.0 sei, bevor OpenAI und Google bessere Versionen ihrer Modelle veröffentlichten. Jetzt hat Anthropic seinen nächsten Zug gemacht, und es wird sicher nicht lange dauern, bis die Konkurrenz nachzieht. Claude wird zwar nicht so häufig erwähnt wie Gemini oder ChatGPT, ist aber definitiv im Rennen.




