The Trade Desk Q2-Nachlese: Deep Value oder Value Trap?
Update

The Trade Desk Q2-Nachlese: Deep Value oder Value Trap?

Am 6. August lieferte The Trade Desk das schwächste Quartal seit dem Börsengang: 715,1 Mio. USD Umsatz (+3 %), bereinigtes EPS 0,34 nach 0,41 USD, und eine Q3-Guidance, die erstmals rund 12 % Umsatzrückgang impliziert. Die Aktie verlor über ein Fünftel und notiert bei 14,56 USD. Wir arbeiten den Amazon-Preiskampf und die Publicis-Nachwirkungen auf, erklären die Senkung unserer Renditeerwartung von 24 auf 16 % pro Jahr und beantworten die Frage: Deep Value oder Value Trap bei KGVe 12,6?

The Trade Desk Q2-Nachlese: Deep Value oder Value Trap? Aktie und Aktienanalyse

Hauptsitz
USA
Sektor
Informationstechnologie
Industrie
Software (Adtech)
Kurs
14,56 USD
Marktkapitalisierung
7,0 Mrd. USD
Umsatzwachstum Q2 2026
+3,0 %
Q3-Guidance
ca. −12 % Umsatz
Bruttomarge
79,6 %
Adj. EBITDA-Marge Q2
34 %
KGVe 2026
12,6
Free Cash Flow (TTM)
ca. 850 Mio. USD
Nettoliquidität
1,1 Mrd. USD
Dividendenrendite
keine Dividende
Datum
21.08.2026

The Trade Desk Q2-Nachlese: Deep Value oder Value Trap? Aktienanalyse

  • Das schwächste Quartal seit dem Börsengang. Am 6. August hat The Trade Desk die Q2-Zahlen vorgelegt: 715,1 Mio. USD Umsatz, nur noch plus 3 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist die niedrigste Wachstumsrate der Firmengeschichte, und sie verfehlt die eigene Mai-Guidance von mindestens 750 Mio. USD deutlich. Das bereinigte Ergebnis je Aktie fiel von 0,41 auf 0,34 USD, die Free-Cashflow-Marge brach von 40 % im Vorquartal auf 19 % ein. Die Aktie verlor nach den Zahlen mehr als ein Fünftel und notiert heute bei 14,56 USD.

  • Die Q3-Guidance impliziert erstmals einen Umsatzrückgang. Für das dritte Quartal stellt das Management mindestens 650 Mio. USD Umsatz in Aussicht. Gegen die 739 Mio. USD aus dem Vorjahresquartal ist das ein Rückgang von rund 12 %, der erste in der Geschichte des Unternehmens. Das bereinigte EBITDA soll auf etwa 160 Mio. USD fallen, nach 317 Mio. USD im Vorjahr. Die implizite Marge von rund 25 % wäre die niedrigste seit Jahren.

  • Der Amazon-Preiskampf steht jetzt in den Zahlen. In unserem Juli-Update war Amazons DSP-Angriff die zentrale Sorge, aber noch Koexistenz statt Verdrängung. Die Q2-Zahlen ändern das Bild: CEO Jeff Green räumt ein, dass The Trade Desk gegen günstigere Einkaufswege an Boden verliert, dazu bremsen Auto- und Konsumgüterwerbung. Die Kundenbindung liegt zwar weiter über 95 %, aber die Budgets pro Kunde wandern teilweise ab. Der Preiskampf ist keine These mehr, er ist messbar.

  • Warum wir die Renditeerwartung von 24 auf 16 % gesenkt haben. Unser Juli-Update hatte einen klaren Prüfpunkt: Hält die Q2-Guidance von mindestens 750 Mio. USD? Sie hat nicht gehalten. Die Analysten haben ihre Schätzungen drastisch gekappt, statt rund 20 % Gewinnwachstum pro Jahr steht im Konsens jetzt für 2026 und 2027 ein Gewinnrückgang. Wir ziehen die Konsequenz und rechnen nicht mehr mit Wachstumsprämie: nur noch die harte Cash-Verzinsung plus normalisiertes Restwachstum.

  • Renditeerwartung von rund 16 % pro Jahr, aber mit kurzer Leine. Rund 12 % Free-Cashflow-Rendite (etwa 850 Mio. USD TTM-FCF auf 7,0 Mrd. USD Marktkapitalisierung) plus konservativ 4 % normalisiertes Gewinnwachstum ergeben rund 16 % Renditeerwartung pro Jahr. Die ehrliche Gegenrechnung: Erweist sich der Q3-Rückgang als strukturell, sind es eher 6 bis 8 %. The Trade Desk bleibt für uns kaufenswert, aber mit klarem Prüfpunkt bei den Q3-Zahlen im November.

1Das schwächste Quartal seit dem Börsengang

Unser letztes Update zu The Trade Desk erschien am 29. Juli unter dem Titel „87 % unter dem Hoch — und der Gründer kauft für 150 Mio. USD“. Die These damals: Der Kurs ist schneller gefallen als die Fundamentaldaten, die rund 24 % Renditeerwartung halten der Überprüfung stand. Als Prüfpunkt nannten wir die Q2-Zahlen am 6. August.

Dieser Prüfpunkt ist jetzt da. Und er ist schlecht ausgefallen.

Der Umsatz stieg im zweiten Quartal nur noch um 3 % auf 715,1 Mio. USD. Das ist die niedrigste Wachstumsrate seit dem Börsengang 2016 und eine klare Verfehlung: Das Management selbst hatte im Mai mindestens 750 Mio. USD in Aussicht gestellt, der Analystenkonsens lag bei 752,6 Mio. USD.

Auch die Ertragsseite gab nach. Das bereinigte Ergebnis je Aktie fiel von 0,41 auf 0,34 USD. Das bereinigte EBITDA sank auf 241,3 Mio. USD, eine Marge von 34 % nach 39 % im Vorjahr. Der GAAP-Nettogewinn brach um 29 % auf 64,4 Mio. USD ein.

Am deutlichsten zeigt sich die Abkühlung im Cashflow: Die Free-Cashflow-Marge lag bei rund 19 %, nach 40 % im ersten Quartal. Die Börse reagierte entsprechend. Die Aktie verlor nachbörslich zeitweise 24 % und notiert heute bei 14,56 USD, bei einer Marktkapitalisierung von 7,0 Mrd. USD.

Was weiterhin funktioniert: Die Kundenbindung liegt das dreizehnte Jahr in Folge über 95 %. Die Bilanz bleibt eine Festung mit 1,1 Mrd. USD Cash und keiner Finanzverschuldung. Und die Partnerliste wächst: Dentsu hat The Trade Desk als ersten DSP-Partner für sein neues Retail-Daten-Angebot benannt, dazu kamen Integrationen mit Databricks, Adobe, Netflix und Samsung Ads sowie Commerce-Media-Anbindungen an Booking.com, Uber, Marriott und United Airlines. Das Problem ist nicht der Kundenstamm. Das Problem ist, wie viel Budget über die Plattform fließt.

Das war die kostenlose Vorschau

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